Schlechtes Gewissen – im Godzillaformat

3 Aug

Gestern war (k)ein guter Tag. Er war nicht gut, weil er verdammt weh tat. Und er war gut, weil er unschätzbare Einsichten barg.

Ich hatte einen Kundentermin, solche, die ich eigentlich garnicht mehr annehme, weil Schnurps keine Flasche mag und deshalb nur kurz ohne MöpseVerfügbarkeit sein kann. Aber ich hatte das Gefühl, da gehts nicht anders, ich wickel das ratzfatz ab und bevor er was merkt, bin ich zurück…das Vatertier ist ja da…und was der  Selbstverblendungsidiotien noch so im Angebot sind.

Ich war fünf Stunden weg. Während derer wir zunehmend von krrksss-Geräuschen gestört wurden. Das war mein brechendes Herz. Dann rief das Vatertier an. War aber nur seine Nummer, denn in Wirklichkeit war Schnurps dran – besser gesagt: was von ihm noch übrig geblieben war nach vierzig Minuten Weinen, Schluchzen, Schreien. Mir war sofort klar, dafür komm‘ ich in die Hölle.  Dann wurde mir noch klarer: Ich bin schon drin. Natürlich brach auf dem Rückweg die S-Bahn zusammen.

Als ich dann das kleine Feuchtbündel wieder im Arm hielt, schaute der mich kurz an – Glibber in den Augen, total verschwitzt, schockstarrer Körper, das ganze Programm – nur, dass WIR das einfach noch nie erlebt hatten – und schrie dann einfach weiter.

Übersetzerfisch: Du hast mich allein gelassen. ALLEIN.  Egal, ob das Vatertier da war.  Ich war allein.  Ich war noch nie allein.  Du hast versprochen, mich NIEMALS allein zu lassen. Ich war allein.  Du warst weg. Ich hab Dir Bescheid geschrien, wie es mir geht, aber du bist weg geblieben.  Du musst mich doch gehört haben. Ich hab‘ so laut geschrien, wie ich konnte.  Also war ich Dir egal.

Genau das hat er mir gesagt, viel deutlicher, als Worte es hätten ausdrücken können. Und den Nippel hat er wieder ausgespuckt. Kein Witz. Naja, nach etwa fünf Minuten hat er ihn dann doch genommen, nach etwa zehn vorsichtig gelächelt und nach ’ner halben Stunde war er wieder der Alte.  Nur das Vatertier hat mich ignoriert.  Bis heute morgen. Recht hatte er.

Aber da ist mir erst klar geworden, was Attachment Parenting wirklich bedeutet. Nämlich, dass die Schnurpse keine graduellen Enttäuschungen kennen, kein Alleingelassenwerden von Anfang an, kein ‚Na gut, ich hör auf mit dem Schreien, mir hört ja doch keiner zu‘.  Sie kennen keine gebrochenen Versprechen, keine Distanz, keine Einsamkeit. Und so soll das auch sein. Es wird sie – so die APgöttin will – zu selbstbewussten, autonomen, liebeserfüllten kleinen Menschen machen, die mit zwei losstapfen und furchtlos die Bäume (ähem, Sträucher) erklimmen. Aber vorher gibt es keine Ausnahmen zu der Regel, die sich nicht furchtbar rächen würden. Kein Alleinlassen. Niemals. Und das ist eine verdammt große Nummer.

Eine Antwort to “Schlechtes Gewissen – im Godzillaformat”

  1. summerjen August 4, 2011 um 09:07 #

    ooooooooh! Da bricht mir als Nichtmutter ja sogar das Herz!!!!
    Aber ich bin mir sicher, in kürzester Zeit wird er das verwinden… Nachdem frau ja NIE zu 100% geben kann (tut sie ja nicht mal sich selber, wenn sie kinderlos ist), müssen Kollateralschäden in der Natur vorausgesehen uns also mit einberechnet sein.
    Er liebt Dich trotzdem!!!!

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