Re-Using Workshop I: Die Plazenta. (Yummie.)

1 Sep

Von Anbeginn meiner Schwangerschaft habe ich mich darauf gefreut, meine Plazenta zu sehen…diese in mir gebildete, wahnwitzig intelligent designte Futterquelle, ein perfektes Beispiel für Selbstsuffizienz – gefundenes Fressen (naja, nicht ganz….siehe unten unter Auffuttern) für mich PermakulturFetischistin 😉

Ein bißchen war es auch der hübsche Gedanke, dass die Plazenta Schnurps‘ und mein erster gemeinsam gebackener Kuchen ist (das Plazentagewebe entstammt aus fetalen und mütterlichen Zellen) und ich Kuchenbacken und Verknuspern vor allem in Kindergesellschaft liebe.

Ist sie nicht wunderschön, diese Symbiose, die wir schwanger mit uns herumtragen?

(Image credit: Wei Hsu and Shang-Yi Chiu)

Und wer mal sehen möchte, wie Babes mit Plazenta noch dran ausschauen, besuche diese sehenswerte Webseite der Fotografin Stephanie Weigls und schaue sich unter „Erste Mahlzeit“ um. (Dort wird auch der Unterschied zwischen einer Raucher- und einer gesunden Plazenta glasklar. Erstere ist ein grauer, fester, kalkiger Stein, während letztere ein wohldurchbluteter, elastischer, fruchtbarer Kuchen ist. Ich werde mich niemals über die Süchte anderer Menschen erheben – wir haben sie alle, die einen subtiler als die anderen. Aber bitte, falls Es Euch irgendwie möglich ist: Raucht nicht während der Schangerschaft. Es macht die Versorgungssituation zur Hölle.)

In jedem Fall war ich total scharf darauf, mir das Wunderwerk anzuschauen. Und ich wusste gleich, dass ich sie keinesfalls einfach entsorgt haben möchte, sondern getrau meinen ECObabeesken Prinzipien auf jeden Fall weiter verwenden will. Dafür habe ich mich auf die Suche nach Re-using Möglichkeiten gemacht – die ich hier jetzt mal mit Euch teile.

Meine war ja eine Wassergeburt im Geburtshaus (dazu an anderer Stelle mehr), und so habe ich meiner Hebamme schon in den Vorgesprächen gesagt, dass ich die Plazenta unbedingt sehen möchte, wenn sie rausflutscht, und dann auch mitnehmen. Es gibt noch andere Möglichkeiten – zu denen komme ich gleich. Zunächst mal: Das Rausglibbern heißt nicht umsonst „Nachgeburt“. Nachdem der Schnurps draußen war, hat sich alles durchflutendes Gefühl der Erleichterung breit gemacht – aber ich habe auch ganz eindeutig gefühlt, dass ich noch nicht leer war. Es erfordert noch mal ein bißchen Arbeit, die Plazenta rauszukatapultieren – in einem Moment, wo Du einfach nur mit Deinem Baby und Deinem Partner kuscheln willst und NIIIIIIIIIIEEEEEEEEEE wieder pressen. Aber dann geht es eigentlich ganz schnell – und dass Gefühl der Erleichterung hinterher ist GÖTTLICH.

Soooo…und hier mal all das Schöne, was man mit der P. anstellen kann…

1. Einpflanzen

Ich werde unsere Plazenta wohl unter einem Ginkobaum einpflanzen. Lauter Leute nehmen anscheinend auch den passenden Baum des keltischen Baumhoroskopes, das wiederum eine Erfindung vom Dichter Robert Graves/ Robert von Ranke-Graves plus einer französischen Journalistin der Marie Claire ist – geht doch nix über ein bißchen Eso-Bashing an lauen Sommernächten 😉

Mir geht’s um das Spürbarmachen organischer Kreisläufe – Schau, werde ich dem Schnurps sagen können, in diesen Baum ist eingegangen, was Du erschaffen hast; in jedem kleinen Blatt sitzt ein Stück von Dir… Bei uns wirds dazu eine kleine Zeremonie geben, die an die Stelle einer Taufe tritt. Wer aber bis in die letzte Pore Abstand genommen hat von jeder Idee des Privateigentums – auch im Wald kann mans vergraben und dabei schön feiern! Besonders liebevoll finde ich auch eine Baumparty mit älter gewordenen Schnurpsen – teil der ÖkoBildung… Ihr seht schon, ganz entschieden bin ich noch nicht – deshalb wartet die Plazenta in der Tiefkühltruhe. Ich habe sie gestern rausgeholt und mal fotografiert:

Was fällt Euch auf? Genau: Plastiktüten. Fragt lieber nicht 😉 Nachdem Schnurps ja mit Überschallgeschwindkeit ins Hier & Jetzt rüber rutschen wollte, hab‘ ich Dösel die Tupperwaredose komplett vergessen einzupacken. Also: Direkt mit in den allzeit bereit stehenden Koffer (den ich natürlich auch nicht gepackt hatte) damit, was ein braves NachhaltigkeitsMütterchen sein will.

2. Einmachen

Die Plazenta ist einfach eine Wahnsinnsquelle wirksamer,  nebenwirkungsfreier Medikamente. Wenn’s Euch interessiert, lest mal Cornelia Ennings „Heilmittel aus Plazenta“  (ich besprech’s nochmal genauer im Babebooksbereich – reinlesen könnt Ihr hier):

Wieder eins von diesen wohl recherchierten, vor Wissen strotzenden Bücher, die in völligst verständlich geschriebener Sprache die Augen öffnen für ein Universum alternativen Heilens.

Die bekannteste Form der Plazentamedikamente sind Globuli, die innerhalb der Homöopathie zu den Sarkosen  zählen – Wirkstoffe, deren Ausgangsmaterial aus Stoffwechselprodukten des Patienten selber stammt. Bekannter allerdings ist der Begriff Auto-Nosoden.

In meinem Geburtshaus wird sich vor Ort um das Einschicken von Plazenta zur Herstellung des Globuli gekümmert – einfach mal nachfragen! Ansonsten könnt Ihr das auch selbst übernehmen. Infos dazu gibt es zum Beispiel hier und hier.

3. Dranlassen

Eine der Riesenmotivationen für diese Seite sind meine eigenen „Hätte ich das mal vorher gewusst“-Erfahrungen. Viele der wunderschönen Dinge rund um Geburt und alles kommende kannte ich einfach nicht.

Leider gehört dazu auch die Lotusgeburt. Dabei wird der neugeboreneSchnurps nicht von der Plazenta getrennt – sprich, die Nabelschnur plus P. bleiben so lange dran, bis sie nach 3 bis 10 Tagen selbst abfällt. Kennt Ihr das, wenn Ihr etwas vorher Unbekanntes lest/ hört und es macht sofort Peng – wie in: Klar, das macht absolut Sinn, wieso um alles in der Welt bin ich da nicht selber drauf gekommen? So war’s bei mir mit der Lotusgeburt. Auf der tollen Attachment Parenting.de findet Ihr eine schöne Zusammenfassung der Idee plus mehr Gründe, warum – und hier einen interessanten Bericht einer Frauenärztin aus medizinischer Sicht … mit super Bildern einer marinierten Plazenta, grins. Ausdrucken und mit ins Krankenhaus nehmen, falls die Ärzte dort fickelig werden!!!

Wer es wirklich vorhat, und Englisch liest, sollte sich „Lotus Birth“ von Shivam Rachana  antiquarisch besorgen:

4. Auffuttern

Für mich war das Nix. Fühlte sich irgendwie nicht richtig an – könnte eventuell an meinem Veganertum liegen… Sollte ja schließlich roh und direkt nach der Geburt sein. Allerdings – hätte ich starke Nachblutungen, ich würde es sofort tun. Und außerdem:  Sag niemals Nie.

5. Spenden

Geht in einigen Krankenhäusern auch. Nachfragen! Die Plazenta wird dann zur Herstellung diagnostischer Verfahren genutzt. Natürlich unterstützt Ihr damit die Pharmaindustrie, aber andererseits tut Ihr Menschen was Gutes…muss halt jeder selbser wissen.

In jedem Fall gilt:

  • Vorher rechtzeitig informieren, um alle Vorbereitungen treffen zu können.
  • Den an der Geburt Beteiligten vorher sagen, was Ihr mit der Plazenta vorhabt. Vor allem die Begleitperson in die Benutzung der Beförderungsmittel einweihen.
  • An alle notwendigen Aufbewahrungsbehältnisse denken und sie rechtzeitig einpacken. Bei Lotusgeburten im Wasser haben sich schwimmende Container bewährt, falls Ihr noch ein bißchen im Bottich bleiben wollt und plantschen 😉
  • Zuhause in der Aufregung nicht vergessen, P. ins Tiefkühlfach zu verfrachten.
  • Euren Partner bitten, den Versand für die Sarkosenherstellung zu übernehmen – Ihr selbst werdet direkt nach der Geburt anderes im Kopf und an den Möpsen haben.
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7 Antworten to “Re-Using Workshop I: Die Plazenta. (Yummie.)”

  1. kraehenmutter September 2, 2011 um 21:36 #

    hihi so ein paar monate nach der geburt scheints alle in den fingern zu jucken und sie holen das kleine wunder mal ausm tiefkühler.
    da kamen doch etwas wehmütige erinnerungen hoch 😉
    unsere lagert auch noch ein und wartet auf ihren großen einsatz: der gingko-baum wächst schon seit jahren als geschenk meiner urgroßmutter bei der „frischgebackenen“ oma im garten und wird nun wohl das kostbare stück ungelegt bekommen.
    habe nur angst, seine wurzeln zu beschädigen, wenn ich da buddel, muss mich direkt ma informieren ob pfahl – oder flachwurzler…(und so richtig trennen kann ich mich davon auch noch nicht uah)

    das buch „heilmittel aus der plazenta“ fand ich irgendwie nicht so dolle, hatte mir etwas mehr konkrete anleitungen erhofft, die beschränken sich ja aber nur auf wenige seiten.
    und das arme teil tagelang im backoffen trocknen lassen geht energie-mäßig irgendwie so gar nicht.

    hast du die globulis eigtl schonmal benutzt?
    habe meine erst letzte woche bekommen und warte nun gespannt auf zahnen, schnupfen, was-auch-immer.

    • ECObabe September 5, 2011 um 11:30 #

      Pfahlwurzeln, bis zu einem Meter. Aber in den ersten vier bis sechs Jahren sind die Wurzeln noch relativ kurz (kein Grundwasserkontakt). Ich mags ja so historisch – geht nix über obskure Schwangerschaftsfakten, mit denen man Großstädtern den Wind aus den aufgeklärten Segeln nehmen kann…aber stimmt, Rezepte könntens mehr sein. Globuli sind noch ncht zum Einsatz gekommen – Schnurps hat beschlossen, seine ersten Zähne lautlos und über Nacht zu bekommen und war ansonsten auch noch nicht krank. Mütter könnens übrigens auch nehmen, gell! Ham wa uns ja wohl verdient, nachdem monatelangen Rumgeschlepe von Kind & Kuchen 😉

  2. Leonie Oktober 5, 2011 um 16:54 #

    Hi, freut mich, dass Du so offen über das Thema Plazenta schreibst. Ich war und bin auch sehr fasziniert von diesem Wunder. Meine habe ich meinem Mann überlassen, der sich so sehr gewünscht hat, sie in seiner Heimat (in der wir nicht leben) im Garten zu vergraben. Bitteschön 🙂
    Mit Plazentaglobuli habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht – hilft, wenn man mit der Milchproduktion mal nicht so recht hinterherkommt, bei Erkältungen sowohl des Kindes als auch der Mutter, bei grobem Stress oder Schock…
    und ich habe auch davon gegessen; meine Hebamme schwört darauf, dass die Rückbildung, das Stillen, sprich: alle körperlichen Umstellungen nach der Geburt, dann in den allermeisten Fällen problemlos laufen. Bei mir hat sie Recht behalten.

    Ich erfreue mich an Deinem Blog, vielen Dank dafür und beste Grüße! L.

    • ECObabe Oktober 7, 2011 um 18:34 #

      Du hast großes Glück gehabt mit Deiner Hebamme. Ich finde es wunderschön, Deinen Mann entscheiden zu lassen, was mit der Plazenta geschieht – ein ganz besonderes Geschenk, dass ihm zeigt, wie wichtig er in einemProzess ist, in dem Männer sich sicher oft ein bißchen ausgeschlossen fühlen.

  3. Linda Februar 28, 2012 um 23:58 #

    Ich wühle mich gerade durch deinen Blog…um diese Uhrzeit um ganz Me, Myself&I mäßig nach einem anstrengenden Babytag(der Papa war lange arbeiten und liegt nun mit dem Baby im Bett) noch ein paar Minütchen für mich zu haben…

    Wir waren auch ganz angetan von einer Lotusgeburt. Mir war das schon länger ein Begriff, aber ich hatte in der Schwangerschaft garnicht weiter darüber nachgedacht.
    Irgendwann meinte mein Liebster, dass er den Gedanken die Nabelschnur durchzuschneiden ganz fremd findet und das ihm das falsch vorkäme. Ich wusste dass er noch nie was von Lotusgeburt gehört hatte und fand es interessant was sich da bei ihm breitegemacht hat. Wir haben also darüber gesprochen und wussten-so wollen wir das.
    Unser Baby kam raus, die Plazenta kam raus und irgendwann habe ich sie dann gewaschen und verpackt. Die Idee, so wunderbar wir sie Beide fanden, war für uns in der Umsetzung dann garnichts mehr.
    Vielleicht wäre es anders gewesen wenn wir nicht von Geburt an mit windelfrei begonnen hätten, oder wenn wir ihn im Kiwa durch die Gegend geschoben hätten statt ihn zu tragen…vielleicht.
    Aber windelfrei und getragen wurds nach ein paar Tagen einfach lästig. Die Nabelschnur war bei uns nicht besonders lang und neben dem hantieren mit einem Baby ohne jegliche Körperspannung(und dank windelfrei gab es da ja viel hantiererei über den Tag) noch die Plazenta immer zu beachten war uns nichts. Zumahl die Nabelschnur irgendwann ja trocken war und somit die Plazente nur noch in einem bestimmten Winkel neben ihm liegen konnte um nichts abzubrechen….
    Naja, auf jeden Fall haben wir sie dann doch gekappt nach einigen Tagen und eingefroren.

    Was ich noch eine wunderschöne Idee finde: Einen Abdruck auf Leinwand. Leider hab ich auch daran vor der Geburt nicht mehr gedacht…

    • ECObabe August 13, 2012 um 18:00 #

      Bei allem, was wir umsetzen an Ideen, finde ich es auch superwichtig, sagen zu können – Das passt für mich einfach nicht. Hab’s probiert, hat nicht funktioniert, Gut ist.

      Trotzdem glaube ich, dass Ihr die Essenz der Lotusgeburt umgesetzt habt. Ich bin davon überzeugt, dass die wichtigsten Momente der Lotusgeburt die 36 Stunden unmittelbar nach dem Schlüpfen sind. Es geht in meinen Augen darum,
      1. Den gerade geborenen Schnurps nicht dem Trauma der Trennung von seinem ersten Organ auszusetzen, zeitgleich mit dem komplexen und sicherlich verstörenden Eintritt in eine neue Welt. (Ob Mensch den die beiden umgebenden Raum Aura nennen möchte oder nicht, bleibt ja jedem selbst überlassen.) Die Plazenta ist ein vertrauter Begleiter, physiologisch und psychologisch BestandTEIL des Schnurps – und wir können schlicht nicht wissen, welche Bedeutung das Kappen dieser Verbindung für ein Neugeborenes hat. Deshalb ist die sicherste Option schlicht und einfach: Dranlassen.
      2. Ich persönlich hatte ein sehr reales Gefühl einer intimen Verbindung zwischen den Beiden, die unmittelbar zu unterbrechen ich schlicht kein Recht hatte. Anders ausgedrückt – ich hatte das Gefühl, mit diesem Akt die Integrität (=das Persönlichkeitsrecht) des Schnurps zu verletzen – hm, eventuell nicht der beste erste Schritt zum Urvertrauen zwischen uns Beiden 😉
      3. Und dann geht es ja auch noch um das Third Stage Birth Management, also das ganze fremdbestimmte Gewurschtele unmittelbar nach der Geburt, dass im Falle einer Lotusgeburt (als nur eines der in „Ruhe zu lassenden Dinge“) eben noch weiter reduziert wird.

      Und alle diese Dinge haben ja stattgefunden bei Euch, gell? Na also!!!!

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  1. Podcast Nr. 2 :: Plazentarituale & Nervenstärkung « Jademond - Oktober 29, 2012

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