PracticalTuesday #2: Gebärt doch, wo Ihr wollt!!!!!!!!!!!!

20 Sep

1. Schnurps ist wieder unter die Bäumeausreißer & Welteroberer zurückgekehrt. Sprich, Fieber weg, Rotz läuft, alles wieder gut. Hach, was bin ich glücklich. Und stolz, der kleine Kämpfer, der.

2. War ja irgend wie klar, dass die Damen/Herren Aufgeklärten, die diesen Blog sehr netter weise verfolgen, alle schon Ökostrom haben (siehe Kommentare). Die Welt ist eben doch nicht schlecht. Also erweitere ich mein Angebot – für jeden, den IHR überredet, zu wechseln, mach ich die Schreiberlingsbeine breit. Aber ehrlich sein, gell? Keine Großcousinen erfinden.

Und jetzt zum Thema des Tages. Denn schließlich ist heute PracticalTuesday, und es gibt einen Tipp, der gleichzeitig Ausblick auf eines der schon angeteaserten eBooks ist, für das ich gerade fleißig recherchiere. Dabei wirds um die verschiedenen Orte und Arten gehen, an denen und auf die mutta&vata gebären können…sprich zu Hause, alleine oder mit Hebamme, im Geburtshaus, in der Hebammenpraxis, im Krankenhaus. Die Recherche hierfür spielt sich fachliterarisch und interview-ig ab, und ich bin dabei auf eine absolut erstaunliche Tatsache gestoßen, die zu erwähnen mir zu wichtig ist, als das ich noch länger damit warten wollen würde (Schachtelsatz, ick liebe Dir).

Ich hole mal ein klitzekleines bißchen biografisch aus. Selbst hatte ich ja eine Wassergeburt im Geburtshaus, und es war die wunderschönste und friedvollste Erfahrung meines Lebens. Vielleicht schreibe ich mal darüber, wenn ich das Gefühl für die richtigen Worte finde. Eigentlich sollte es eine Hausgeburt werden, aber wir waren gerade in eine Wohnung ohne Wanne gezogen und für eine Duschgeburt fand‘ ich mich noch nicht Profi genug, he,he.

Als ich also dem Vatatier mitteilte, das Krankenhaus auf keinen Fall in Frage kommt (nur bei komplifizertesten Verwicklifikationen), war der skeptisch. Und ängstlich.  Und plötzlich technik- (…aber die ham da doch alle diese Maschinen…) und authoritätsverliebt (…und ausgebildete Ärzte…). Hääää???? TOTAL UNTYPISCH.  Aber da er die Stahlgleichheit meines Dickschädels aus diversen Zusammenstößen internalisiert hat, stimmte er einem Infoabend zu. Im Geburtshaus. Wo wir dann brav mit vierzehn anderen Paaren im Kreis sit-inten und uns von zwei Hebammen die Sache erläutern ließen. Und jetzt kommt’s. Da saßen vierzehn schwangere Frauen, die alle ganz genau wußten, dass sie dort ihr Kind zur Welt bringen möchten und nirgends anders. Die waren nicht in irgendwelchen Entscheidungsfindungsprozessen begriffen. Die wollten das. Und an ihrer Seite zappelten vierzehn Männer auf ihren Yogakissen, die bis auf einen allesamt eher dagegen waren – manche vehement, andere auf der Kippe, aber dennoch.

Was ist da los, habe ich mir gedacht.  Entspringt das der fehlenden intuitiven  Sicherheit, die Mütter haben (und die sie nicht haben können), dass wir das schon zusammen schaffen, die Schnurpse und wir? Ist es ein Vertrauen in die medizinische Technik, die dem generell technokratischeren Denken der jetzigen männlichen Generationen entspringt? Oder das Bedürfnis nach der Anwesenheit akademischer Authorität? Irgendwer muss das mal erforschen.

In jedem Fall, als ich dann nach zwei Monaten den irgendwie zwangsläufig einsetzenden Mütterkontakt hatte, bin ich immer öfter auf Frauen gestoßen, die ein bisschen traurig und neidvoll waren ob meiner Geburtshauserfahrung – und die alle sagten, SIE hätten es ja sofort und sooooo gerne gemacht, aber ihre Männer waren sorgenvoll dagegen, und diese Sorgen wollten sie ernst nehmen, und deshalb…Schluck. Und in ganz vielen Fällen war eine eher schlechte Krankenhauserfahrung bei einer völlig komplikationslosen Geburt die Folge. Versteht mich nicht falsch: Wer im Krankenhaus gebären  will, der tut das. Aber wer es nicht will, sollte sich nicht dazu gezwungen fühlen.

Denkt vor allem nicht „Ach komm, das ist nur die Geburt, die zwei, drei Tage, den Gefallen kann ich ihm/ihr tun“.  Oder „naja, vielleicht hat er/sie ja recht, wenn dann doch was passiert…“.  (Wenn doch was passiert, weiß Hebamme das fast immer rechtzeitig genug, und Ihr fahrt in aller Ruhe ins Krankenhaus). Das Erlebnis der Geburt ist ein unendlich wertvolles, nicht in Worte zu fassendes Erlebnis, dessen Gewicht für immer Teil Eures Rucksacks sein wird.  Sie hat eine Bedeutung für das kindliche Bewusstsein und unser ganzes Leben-Erleben, die m.M. nach immer noch nur deshalb radikal unterschätzt wird, weil sie noch nicht neurophysiologisch nachweisbar ist.

Deshalb: Kämpft um Euren Wunsch, dort zu gebären, wo Ihr das Gefühl habt, es sei „richtig“. Aber kämpft liebevoll, und fangt so früh mit diesem zweisam gelebten Entscheidungsprozess an, dass Ihr ihn in einem gleichberechtigten Dialog führen könnt. Dieser Dialog muss in einer Sprache geführt werden, die auch der Partner versteht. Und wenn diese eine eher technische, datengestützte, sachliche, empirische ist, dann sei es so.

Deshalb hier mein praktischer Tipp: Versorgt Euch mit argumentativem Material, bevor Ihr dem Mann oder der Frau in Eurem Leben Euren Wunsch unterbreitet, zu Hause oder im Geburtshaus werfen zu wollen. So kommt es gar nicht erst zu „Sorgenpausen“. Auch wenn die Entscheidung für Euch eine emotionale war, bereitet Euch darauf vor, sie faktisch untermauern zu können. Denn, juche, wer hätte das gedacht: Alle, aber auch alle Fakten sprechen für Eure Entscheidung! (Abgesehen mal von dem 70.000 Jahre langen AufDer WanderschaftGewerfe der Jäger&Sammler)

  • Sammelt statistische Informationen, wie Ihr sie zum Beispiel in Form von sehr wissenschaftlichen PDF-Downloads bei der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe finden könnt.
  • Durchforstet das Netzwerk der Geburtshäuser nach einem in Eurer Nähe. Geht mit Eurem Partner zu den dortigen Informationsveranstaltungen. Oder ruft vorher dort an und macht einen individuellen Termin aus, falls Euer Partner nicht gerne vor vielen Menschen seine Befürchtungen artikuliert.
  • Kontaktiert den Deutschen Fachverband für Hausgeburtshilfe und lasst Euch dort bei der  Suche nach einer Hausgeburtshebamme helfen.
  • Kauft Literatur (etwa „Zuhause geboren? Erzähl mal!“, zu bestellen etwa hier bei hebamedia, wo es noch viele weitere tolle Lektüre gibt), lest sie ganz in Ruhe gemeinsam und sprecht über die Ängste des jeweils Anderen.
  • Zeigt Eurem Partner Erfahrungsberichte ähnlich, aber bekehrter Skeptiker (Google) und fragt die Hebammen, ob sie jemand solchen kennen, der bereit wäre, mit eurem Partner zu persönlich sprechen

Und lasst Euch NICHT, NIEMALS und unter KEINEN UMSTÄNDEN von Schwiegereltern und anderen an der Peripherie Eurer kleinen Familie herumtreibenden Flodderfoddels in diese Entscheidung reinreden. Die dürfen nachm Wochenbett wieder auftauchen und Suppe bringen!

Eine Antwort to “PracticalTuesday #2: Gebärt doch, wo Ihr wollt!!!!!!!!!!!!”

  1. kraehenmutter September 20, 2011 um 18:37 #

    ein heißes eisen.

    ganz ehrlich: da bin ich noch zu revoluzzer-mäßig drauf und sage: mein bauch gehört mir!
    würde mir da von niemandem reinreden lassen, wo ich bitte zu entbinden hätte…
    und verstehe ganz ehrlich auch die frauen nicht, die sich für den wunsch ihres partners entscheiden. genauso wenig den partner (ja doch meist männer), dass er ihre entscheidung überhaupt nur in frage stellt.
    es ist MEINE geburt mit MEINEM körper, MEINER vagina, MEINER psyche!
    was mischt sich da jmd ein, der mich (im günstigen fall) grade mal ein paar jahre kennt und einfach mal keine ahnung von schwangerschaft, kind-in-sich-tragen usw hat?!?

    über uralt-familie born gefühlte 100 jahre ago hatten wir uns ja schonmal unterhalten.
    selbst mir (als hebamme) wurde immer wieder völlige verantwortungslosigkeit, ob des wunsches in den eigenen 4 wänden gebären zu wollen, vorgeworfen.
    umso ärgerlicher, dass das nicht geklappt hat und ein kollektives „na siehste, zum glück“ die runde machte. grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr…

    naja, aber da versteh ich die frauen dann doch, die weiche knie bekommen, wenn ihnen fahrlässigkeit und quasi-tötung des kindes vorgeworfen werden.
    unglaublich *schnaub*

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