Was aufn Teller kommt, wird auch gepflanzt.

24 Sep

Es gibt keine Zufälle. Punktum. (Meine morphogenetischen Theorien knalle ich Euch wann anders um die Ohren.) Eigentlich wollte ich heute mal immens blogfaul sein, und nur Eines schreiben – nämlich, dass Ihr bitte dieses Buch hier lesen MÜSST:

Ich habs gestern von zwei wirklich wundervollen Menschen geschenkt bekommen und bin ganz glücklich verschmökert heute (während Schnurps an meinen Oberschenkel gekuschelt schläft). Schaut Euch in jedem Fall auf der Webseite des wundervollen Wam Kat um. Ach, solange es solche kochenden & schenkenden Menschen gibt, steh‘ ich gerne jeden Tag auf und kämpfe gegen Windmühlen , mit dem Winzling vor der Brust.

Aber dann kam folgender Kommentar von Krähenmutter (die ebenfalls sehr lustig, bissig und besonders nah-am-Leben bloggt):

wie handhabt ihr das dann eigtl mit dem schnurps ernährungstechnisch?
also vegan, bis er was anderes will oder grundsätzlich vegan oder dann doch omnivorisch?

Und mir wurde wiedermal klar:  Es gibt keine Zufälle. Punktum.

Hier ist meine Antwort:

Also, jetzt gerade isser ja nich vegan, weil er Muttamilch futtert 😉 Insgesamt heißes Eisen, das. Also, Schnurps ist jetzt 6 Monate und zwei Wochen alt und Brei findet er toll, um damit alternative Wandgestaltungskonzepte durch praktische Anschauung zur Diskussion zu stellen. Sprich: Das Zeux landet überall, außer im Magen. Schlucken? No, Mam. Ich biete halt immer mal wieder Vermischtes an (Kürbis, Pastinaken, Apfel), dann lachen wir beide herzlich und die Möpse werden rausgeholt.

Fingerfood findet er sooooo toll, auch da, noch kein Geschlucke, aber die Begeisterung scheint dafür zu sprechen, dass er vielleicht direkt auf Festnahrung umsteigt. Irgendwie kommt mir dieses Breiige auch seltsam vor…ich kanns nicht genau beschreiben. Als wärs Convenience Food für Babies. Weil eigentlich futtern die halt Milch, bis sie soweit sind, richtig mitzuessen, sagt mir mein Gefühl. Und das spürt er eventuell. Beantwortet aber alles nicht Deine Frage. Du merkst schon, ich rede drum herum.

Also: Vatatier ist ja Vegetarier und bleibt es auch. Und ich steige gerade wieder um auf vegan. Ich denke, er soll die Chance haben, bei uns beiden mitzuessen. Deshalb wirds wohl halb/halb sein, wobei es eigentlich gar keine Eier gibt, keinen Honig, keine Milch – also bleibt im Prinzip nur Käse und Joghurt. Mir ist aber eigentlich viel wichtiger, dass ich ihm ein intrinsisches Verständnis für ökologische Kreisläufe, eine tiefe Liebe zur Natur und einen unausrottbaren Respekt vor anderen Lebewesen mitgeben kann. Ich denke, aus diesen Quellen schustert er sich dann schon seine eigene Ernährungswelt zusammen. Aber wir werden ihm nie etwas verbieten. Er soll sich nur darüber im Klaren sein, das Wählen ethisch Handeln bedeutet. Klingt kopfig, ich weiß. Ich hoffe, ich kriegs übersetzt, wenn er soweit ist.

Aber noch etwas anderes ist mir super wichtig. Ich bin gerade dabei, mit Freunden einen Urbanen Garten zu gestalten (mit Verein und gemietetem Land, seufz, wie nah Anarchie und Establishment doch beieinander liegen – ich berichte mehr dazu, sobald der Flächenmietvertrag nächste Woche unterschrieben ist), 3500 qm, auf denen wir die gemeinschaftliche Allmende- und Subsistenz (Selbstversorgungs-) Idee weiter unters Volk bringen wollen. Mir ist es UNGLAUBLICH WICHTIG, dass der Schnurps lernt, sein eigenes Essen anzubauen, dass er seine Karotten von Aussaat auf den Teller begleitet, dass er weiß, was für ein Wunder an gebündelter Energie da vor ihm liegt, dass er sich selbst als Teil des Kreislaufs der Natur begreift, dass er Permakultur leben kann. Und im Umkehrschluss soll er sich fragen, ob er in der Lage wäre, die Axt selbst zu schwingen, um die MuhKuh zu skalpieren, die er dann in blutiger Form in die Pfanne hauen würde (yuck). Ich stell ihn auch gern mit einer Solchen vor das Tier.

Gleichzeitig werde ich versuchen, ihm die Perversität unserer (globalen) Nahrungsmittelindustrie vor Augen zu führen. Und wenn ich das Kind zum Mülltauchen mitnehme. Findet er sicher lustig. Hey, ich glaub‘, ich mach‘ da einfach eine Guerrila-Aktion draus. Nachtwanderung mal anders 😉 Andererseits, ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es solche Verschwendung nicht mehr gibt, wenn er alt genug ist, um Container zu erklimmen. In diesem Zusammenhang, unbedingt anschauen:  „Taste the Waste“ von Vantin Thurn.

So, und jetzt gibt’s Pastinakenpfanne. Vegan. Yummie. Um 22.27 Uhr. Aber das war’s wert. Liebe Krähenmutter, danke, dass Du gefragt hast.

4 Antworten to “Was aufn Teller kommt, wird auch gepflanzt.”

  1. moody2366 September 25, 2011 um 09:20 #

    Also: Kein Fleisch für’s Kind?

    Ich lebe auch (leider nur weitgehend) vegetarisch, mein Dad komplett vegan. Bei mir ist das wirklich schwierig, weil ich Morbus Chrohn habe, eh schon richtig Probleme mit Eisen- und B12-Mangel, sodass mein Freund mir regelmäßig ne Hühnersuppe aufnötigt, wenn ich mal wieder im bösen Schub stecke. Rind kommt mir aber nicht auf den Tisch.

    Wie handhabt ihr das mit Soja und Sojaprodukten (also Ersatzprodukten)?

    Finde ich ein schwieriges Thema (Sojaanbau, Waldrodung, usw.)

    Das Kind bekommt etwa 1x pro Woche Fleisch, 1x pro Woche Fisch. So frisch wie möglich. Ich traue mich nicht ans vegane, und noch nichtmal ans vegetarische. Vor allem, weil ich nicht weil, dass sie auch dieses Eisenmangel-B12-Problem bekommt. Sobald sie selbst entscheiden kann, soll sie dies tun. Ich hab nie viel Fleisch gegessen, auch als Kind nicht. Ich hoffe einfach mal, dass sie nach mir kommt.

    • ECObabe September 26, 2011 um 11:14 #

      Ja, ich sage jetzt mal mutig: Kein Fleisch fürs Kind, bis es danach schreit. Aber vorher mach‘ ich mich noch sehr schlau. Mein Instinkt sagt mir aber: Wenn er mit MuMilch so glücklich ist, wie jetzt gerade, und die ist ja nun mal auch ohne Fleisch (wenn auch mit tierischem Eiweiß), dann kriegen wir das hin. Allerdings kommt diese Aussage aus einem „gesunden“ und deshlb „unbekümmerten“ Bauch. Und was das Soja angeht – du hast so recht, das ist ein wirklich schwieriges Thema, mit dem ich ich mich auch viel beschäftigt habe. Ich glaub‘, ich schreib‘ da nochmal was zu, weil es ja doch eine essenzielle Frage der vegetarischen Ernährung ist. Sag‘ mal, Dein Morbus Chrohn ist aber richtig, vernünftig ausdiagnostiziert, oder? Ich frage nur, weil es mir eine der am häufigsten falsch diagnostizierten Krankheiten erscheint.

  2. kraehenmutter September 26, 2011 um 08:49 #

    oh ja bzgl containern hatte herr schinken schon die grandiose idee den igel zwecks geringer größe einfach in ne mülltüte zu kleiden, ihn an den füßen zu nehmen und in die tonne halten. da muss er dann alles raussammeln was noch gut ist. grandios.
    ich persönlich bin gegen containern in so jungen lebensjahren, 1. wegen der doch meist recht fortgeschrittenen uhrzeit und 2. weil man ja doch mal vollgebrüllt wird und ich mir das aus kindersicht sehr gruselig vorstelle…(ja, ich bin ein elender schisser)

    wir werden es so halten, dass der igel erstmal vegetarisch isst (wie ich), bis er was anderes äußert, dann soll er selber entscheiden.
    da herr schinken dann doch ab und zu mal was fleischiges verschlingt, wird das wohl früher oder später auf uns zu kommen…

    • ECObabe September 26, 2011 um 11:08 #

      He,He, dachte mir schon, dass der Herr Schinken nicht Herr Schinken heißt, weil er von Dinkelstangen lebt. Frage am PracticalMonday ist natürlich: Was hält der Igel für „Noch gut“, wenn er kopfüber baumelnd über all den verheißungsvoll glitschigen, verführerisch müffelnden Einzelteilen hängt? Den interessirt doch im Leben nicht die AlleBisAufEineNochGutenErdbeerenInPlastik. Könnte sich als Backfire für den Herrn Bacon heraustellen 😉 Wie wäre stattdessen Folgendes: Statt des verhassten Kinderwagens schieben wir die IgelSchnurpse direkt inner umgebauten Mülltonne mit unten Fach für gedivte Freebies. Wenn dann die PolEnte angewatschelt kommt, einfach Deckel drauf und ums Eck geflüchtet. Ist dann auch schwerer, Diebstahl nachzuweisen, wenns von einer Müttonne in die nächste wandert…und das es dem Charakter nicht schadet sehen wir ja an diesem Herrn hier.

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