Der Kleine Obelix

30 Sep

Über den Hang des Schnurps zum abstrakten Expressionismus habe ich ja schon vor einigen Tagen berichtet.

Ich sach nur:

Pastinake, Kürbis, MuMi, Apfel, Birne, Banane. Ist gar nicht so schwer.

Kurzzeitig stand schon im Raum, den Schnurps stattdessen den Kleinen Pollock zu taufen. Aber dann will er hinterher noch freischaffender Künstler werden, und das kann ja keiner wollen;)

Aber da ich ja manchmal einfach nicht NACHDENKE, sondern in meiner selbstverschuldeten Unmündigkeit versunken vor mich hin wurschtele, habe ich fleißig und völlig konsequenzlos weiter Biopastinaken eingekocht, bloss um das Zeux hinterher aus Schnurps Ohren rauszupulen.

Bis ich vorvorgestern auf zwei wundervolle Posts/Artikel gestoßen bin, und es mir wie Schuppenflechte von den Augen fiel. Zum einen auf diesen Windelfrei BlogPost über die schlichte Möglichkeit, einfach mal auf unsere Intuition zu hören. Selten habe ich dieses so schwierig einzukreisende Phänomen „Intuition“ so luzide beschreiben gefunden. Ich zitiere hier mal schamlos (den Rest dann fein selber lesen, gelle? LOHNT SICH!!!):

Mein Lieblings-Segel-Lehrer hat mal auf dem Boot gefragt: „Wann sollte man reffen (also die Segel verkleinern)?“ Wir grübelten alle lange: Wenn der Wind auffrischt, wenn das Boot sich zu weit neigt, wenn man zu schnell wird…aber nichts davon konnte man so richtig festmachen. Es gab keine feste Regel. Als würde man einen Pudding an die Wand nageln. Am Ende waren wir erstaunlich ratlos. „Ja..hm, ja, wann sollte man denn reffen?“ drängten wir schließlich.

„Man sollte reffen, wenn man sich fragt, ob man reffen sollte“, war seine Antwort.

Diese kleine Weisheit hilft mir auch als Mutter immer wieder. Wann sollte man ein Baby abhalten? Wenn man sich fragt, ob man es abhalten sollte. Wann sollte man doch mal eine Hand unter den Großen auf dem Klettergerüst halten? Wenn man sich fragt, ob man jetzt nicht doch mal hingehen sollte. Wann sollte man nach einem Blick in den Himmel die Regenjacke mitnehmen? Exakt: Wenn man sich fragt…

Das liegt an etwas ganz Simplen: Intuition.

Und was hat mir meine Intuition (Ihr seid meine Zeugen) schon die ganze Zeit gesagt: Das Kind kapiert Brei nicht. Vielleicht weil zu nah an viel leckerer Mumi. Vielleicht weil nicht so spannend wie Fingerfood. Vielleicht weil mit Löffel essen doof. Wer weiß schon, warum?

Aaaaaaaaba…macht man das nicht so? Kann der denn von der MuMi alleine leben? Überall steht doch was anderes… „Wer ist eigentlich dieser Herr Man?“ fragt das Vatatier an dieser Stelle imma  „Und wieso triffst Du Dich so oft mit dem, wenn er doch nur Schwachsinn erzählt ???????“ Weise gesprochen. Ich also wiedermal recherchiert und neben der theoretischen Versicherung, dass das Kind von MuMi natürlich glücklich mindestens 18 Monate alt werden kann, auf diesen Erfahrungsbericht hier gestoßen.

Und plötzlich waren alle Zweifel wie weggeprustet. Puff.  Schluss mit Kürbisgeschmiere. Lieber mach‘ ich mir ’ne leckere Kürbissuppe und Schnurps kann sich die dann vermetamorphost in den Bauch knallen. (Und wie immer. das iss alles nur gut FÜR UNS. Allerdings: „Man“-Sätze hinterfragen ist gut für alle. Und einfach mal die Klappe halten und die Schnurpse machen lassen, ebenfalls.) Seit drei Tagen darf er sich vom Teller holen, was er mag, außer es hat vorher Chillischoten oder Mehrsalz geküsst. Überstglücklich schleckschlabbert er jetzt an allem rum & grinst die ganze Zeit wie Obelix beim TofuSchweineGelage.

Wieder ist ein Tabu gefallen. Und boaaaaa, geht’s uns besser.

3 Antworten to “Der Kleine Obelix”

  1. jaris September 30, 2011 um 18:18 #

    der erfahrungsbericht hätte von mir sein können. erstens heißt krümel linus und zweitens haben wir die breiphase auch übersprungen bzw. ignoriert 😉 mittlerweile isst er fast alles mit. ich sage allerdings bei süßigkeiten, brot (allg. glutenhaltige lebensmittel), kuchen und stark degeneriertem fertigessen nein, da ich ihm ja auch kein messer in die hand gebe. kann er dann irgend wann essen, wenn es gar nicht mehr vermeidbar ist. das blöde ist nur, dass man dadurch auch irgendwie gezwungen wird sich noch gesünder zu ernähren oder eben die schokolade erst abends auszupacken, wenn der kleine längst schläft. man will dem kind ja auch nix voressen! in diesem sinne lasse ich mir gerade auch meine knusperflocken ordentlich geschmeidig auf der zunge zergehen während krümel bereits in den tiefsten träumen ist. mahlzeit!!!

  2. Nicola September 30, 2011 um 19:20 #

    Fein gemacht (fein zitiert und fein intuitioniert 🙂 ). 18 Monate MuMi ist zwar wirklich ein Extremfall und die Stillberaterin in mir sagt: „Vorsicht. Keine Gedeihstörung übersehen. Das ist nicht schön.“

    ABER bei den meisten Kindern ist es völlig okay, sie einfach zu stillen bis sie von selbst essen wollen. Solange sie gut wachsen, rosige Schleimhäute (Augen!) haben und wach und fit sind (wenn ich das nochmal verlinken darf, hier stehts ausführlichst: http://windelfrei.blog.de/2008/08/19/ot-occams-messer-und-beikost-4610664/). Wir sind hier auch auf Mini-Brei-Mengen umgestiegen. Brei ist langweilig. Aber Essen ist schwer – mit einem Zahn kann man auch noch so weichgekochten Brokkoli nur mäßig gut essen ;). Daher trinkt sie vor allem. Und keiner macht Stress – der Große hat 10 Monate lang jedes Essen galant ignoriert und dann plötzlich seine „Beikost“ mit vietnamesischer Zitronengrassuppe angefangen – und ist immerhin jetzt fast vier.

    • ECObabe Oktober 1, 2011 um 16:50 #

      Jaaaaaa!!!!!!!!!! Toll, Toll, Toll. Ist das mal großartig geschrieben. Wird nochmal extra als Artikelzitat nachgepostet. Wichtig, ältere Artikel immer mal wieder in neuen Kontexten aufzufrischen, den Elterntiere heute warens 2008 halt nun mal noch nicht, und nicht jeder durchforstet Blogs systematisch. Danke!

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