Uiii, bin ich stolz. Und ein bißchen erstaunt.

1 Okt

Wir waren gestern bei der U5. Alles sehr schön. Gute Größe, gutes Gewicht für einen Einjährigen, sagt der Herr Doktor. Nur dass der Schnurps nächste Woche 7 Monate alt wird. Ist eben ein kleiner Drache. So!

Ansonsten hat der Schnurps die ganze Untersuchung über mit der hospitierenden Studentin geflirtet. Großes Schmonzettenkino. Breites Grinsen wechselte sich mit scheuem BambiLächeln und kokettem Kopfweggedrehe ab, die ganze Nummer. Hinterher war die Gute nur noch ein nasser Rührungsfleck auf dem Parkettboden. Grins. Ich habe definitiv noch nie soviel gelacht wie seit des Schnurpsens Geburt.

Das Erstaunliche an diesem Besuch aber war Folgendes. Ich wurschtel den Schnurps aus der Hose, flankiert von Kinderarzt und Studentin. Und verwende dabei unsere verfeinerte Methode, mittels der wir ihm nicht einfach nur erzählen, was wie vorhaben, sondern ihn fragen, obs okay ist, wenn wir ihn jetzt ausziehen und dann einen kleinen Moment warten, bis wirs tatsächlich tun. Klingt haarspalterisch, wirkt aber Wunder. Try it out. (Eine Vatatier-Idee).

Sagt der Herr Doktor im Angesicht des blanken Schniedels, der zum Vorschein kommt „Hum. Hm. Haben Sie die Windel vergessen, oder ist er windelfrei?“ „Windelfrei“ sag‘ ich, vorsichtig ( der Gute hat den Entkleidungsprozess vorher noch nie mitbekommen). „Ach, dass ist ja sehr interessant. Erzählen Sie doch mal Frau (der Studentin)… warum Sie das machen.“ Ich also behutsam angefangen, die Ausscheidungskompetenzen von Schnurpsen in Worte zu fassen, da unterbricht mich der Herr Doktor und launcht einen fünfminütigen Monolog über die perfekt funktionierende Kommunikation von Baby & Eltern, wenn man sie nur zulässt, die absolute Empfehlbarkeit von Co-Sleeping, mütterliche Intuition, ergonomische Vorteile windelunbeschwerter Hüften etc.pp. , gekrönt von einem Loblied auf die Hockspreizstellung und den Schwachsinn des Gebärens in Rückenlage. Die nette Studentin hatte von all diesem (und AP) natürlich noch nie was gehört. Ich war sehr beeindruckt. Und völlig fassungslos.

Denn mit keinem Wort hatte unser netter Onkel Doktor auch nur ein einziges dieser Dinge erwähnt, seit wir bei ihm waren mit dem Schnurps – sprich also von Anfang an. Stattdessen gab’s Vitamin D&K Optionen (K abgelehnt, D sehr sporadisch) und Impfempfehlungen (ganz drauf verzichtet). Ich hab‘ ihn heute nicht danach gefragt, da ich ihn nicht blossstellen wollte, aber ich werd’s natürlich tun.

Bis dahin kann ich nur spekulieren… der Gute wird ja nicht Pampers/ Stokke/ Bugaboo gesponsort sein. Wieso dann sieht er es nicht als seine medizinische Pflicht an, uns/ alle Eltern über diese Möglichkeiten aufzuklären, wenn er sie für so unterstützenswert hält? Ich bin ratlos.

2 Antworten to “Uiii, bin ich stolz. Und ein bißchen erstaunt.”

  1. Christiane Oktober 2, 2011 um 08:38 #

    Das mit dem Erzählen, Fragen, Warten und dann erst Machen, kenne ich aus unserem Spielraum.. die Emmi Pikler scheint dies auch so zu zelebrieren und das ist echt toll, wie es funktioniert. Ansonsten geht es mir beim Arzt auch immer so… nur das wir nicht windelfrei sondern stoffwindelmässig dort hingehen und dann einige bewundernde Kommentare ernten… und ich frage mich auch immer, ob Sie den Kopf schüttelt, wenn wir wieder raus sind.. jaja.. im Studium lernen die so etwas jedenfalls nicht .. das weiß ich… schönen Sonntag…

  2. Nicola Oktober 3, 2011 um 21:46 #

    Wow. Wo ist dieser Arzt? Bin begeistert.

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