Geschlechterfacetten

17 Okt

Geschlechtsneutralität gibt’s nicht. Halte ich auch für nicht erstrebenswert, Heterogenitätsfetischistin, die ich bin. Zwar faszinieren mich solche…hmmm…ich nenn’s mal anthropologischen Experimente zur Geschlechtslosigkeit wie dieses hier, in dem das Geschlecht des Kindes schlicht nicht öffentlich gemacht wird – aber es scheint mir keine nachhaltige Antwort auf sich stellende Geschlechtsfragen zu sein.

Diese sind natürlich wahnsinnig komplex, in gesellschaftlicher wie in wissenschaftlicher Hinsicht. Und ich werde Eure kostbare Aufmerksamkeit nicht mit dem Widerkäuen von Gender Theorien strapazieren, dazu lassen sich multiple, ausgezeichnete Ressourcen im Netz und in allen Unibibliotheken finden. Aber ich finde, dass wir es unseren Kindern schulden, uns Geschlechtsfragen zu stellen, die da so oder anders lauten: Welches Konzept von männlich und weiblich leben wir unserem Schnurps vor? Welche geschlechtliche Selbstwahrnehmung ermöglichen wir ihm/ihr? Wie steuern wir die Außenwahrnehmung auf das Geschlecht unseres Schnurpses? Und dergleichen mehr.

Ich möchte, dass der Schnurps mit einer genderzelebrierenden Einstellung aufwächst, indem er GeschlechtsUnterschiede (seien sie nun biologisch oder sozial generiert) als Chancen begreift und sich selbst als Wesen, dem alle Facetten zwischen männlich und weiblich offen stehen, um zu einem erfüllten Selbst zu finden. So: I’m not talking gender-neutrality but gender-diversity.

Inzwischen gibt’s zur pädogogischen Erlangung dieses Zieles ja massich InfoZeux, welches sich aber selten aufs erste Lebensjahr bezieht, in dem es noch keine verbale Kommunikation mit dem Schnurps über sein Geschlecht gibt. Also hab‘ mir selbst einen kleinen MaßnahmenKatalog gebastelt. Und würde mich sehr, sehr über Ergänzungen und Anregungen freuen.

1.Name. Es gibt ja ’ne Menge unisex Namen, aber eben auch haufenweise schöne, eindeutig geschlechtsspezifische – es wäre wohl gezwungen (wenn auch konsequent), Letztere um des Prinzips willen auszusortieren. Wir hams so gemacht, dass der Schnurps einfach mehr als einen Vornamen bekommen hat, und dass ein Geschlechtsunspezifischer dabei ist. Sollte er also wollen, kann er auf diesen zurückgreifen. Hier gibt’s eine ganz coole Liste.

2.Vaterrolle. Bei uns nimmt das Vatatier die volle Elternzeit. Ich arbeite ja viel von zuhause, so hat der Schnurps von Beiden was. Und wir versuchen wirklich, alle Aufgaben und alle Aktivitäten zu teilen – so wie mal eher rau toben, Einschlaflieder singen, im Tuch rumtragen, Windelfreidanebengeher wegputzen, kochen, stillen…hi,hi, got you there 😉 Nicht zuletzt, damit Schnurps keine Tätigkeit einem von uns (und damit unserem Geschlecht) zuschreibt. Ich bin so froh und dankbar, dass das so gehen kann. Ich weiß aber auch, wie schwer es für ganz viele Väter ist, auch nur die ihnen zustehenden zwei Monate on top zur Mutta zu nehmen. Aber bitte, bitte – wenn Ihr es irgendwie einrichten könnt, tut es. Überredet Eure Männer. ES IST SO WICHTIG. Hier gibt’s Inspiration.

3. Spielzeug. Da er ja wenig vorgefertigtes bekommt, treten hier erstmal nicht soviele Probleme auf. Wo allerdings fertige Formen vorhanden sind, versuche, ich, keine Geschlechtsklischees mitzukaufen, bzw. sie zu brechen. Ganz schnell ist Mädchenspielzeug auf Ästhetik und Jungsspielzeug auf körperliche Aktivität ausgerichtet. Und wenn wir dann mal Verkleiden spielen werden, gibts natürlich inner Kiste gleich viel für beide Geschlechter.

Und es werden so viele Playmobil Figuren nachgekauft, dass die Bauarbeiter & Piraten zu 50% Frauhaar nachverpflanzt bekommen können (geklaut ausm Prinzessinnenschloss). Schön dazu ein Artikel ausm Spiegel vom November 1976:

„Playmobil“ produziert inzwischen auch Frauenfiguren („Raumpflegerin mit Staubsauger“, „Krankenschwester mit Krankenfahrstuhl“, „Burgfräulein mit Schatztruhe“), Feuerwehrleute, Westerner, Bauarbeiter und Sanitäter

Noja, in der Schweiz durften Frauen ja schließlich auch schon seit 1971 wählen.

4. Bilderbücher. Passt bloss auf, da gehts aber sowas von subtil ab. Was für Bücher im Kleinkindalter an emanzipierten Frauenrollen selbstverständlich ist, gilt nicht unbedingt für Bücher in den ersten zwei Jahren.  Immer schön nach arbeitenden Müttern Ausschau halten. Nach Vätern in der Küche. Nach putzenden Jungs und bäumekletternden Mädels. Klingt simpel, isses aber nicht!

5.Kleidung. Bunt, bunt, bunt. Kein bleu oder rosé, bis Schnurps auf Knien darum bettelt (dann natürlich schon, aber dauert ja noch). Geht auch anders: Beides in Maßen. Ich mag einfach kein Pastell, das isses. Keine T-Shirts mit genderlastigen Slogans. Und gut auf den Moment vorbereitet sein, wenn der Schnurps anfängt selbst zu wählen. Alles da haben, auch Röcke. Wird mir schwer fallen, weil selbst ein Hosentier, aber ich bin wild entschlossen.

Und wie haltet Ihr’s?

Eine Antwort to “Geschlechterfacetten”

  1. kraehenmutter Oktober 18, 2011 um 17:33 #

    hab mir da auch schon nen paar mal gedanken drüber gemacht, einen expliziten plan gibts aber nicht.
    ich erzähl einfach mal…

    1.name
    haben wir einfach einen genommen, der uns gefällt, ohne irgendwelche gedanken an feminisierbare versionen.
    2. vaterrolle
    wir haben das glück, beide fast komplett zu hause zu sein, herr schinken geht nur 2 tage die woche arbeiten, betreut ihn dann aber dafür an den anderen tagen sehr viel (seit das mit dem stillen kompatibel ist).
    sonst ist die arbeitsteilung sehr ausgeglichen wie ich finde, einer macht haushalt, während der andere das kind bespaßt. (ja, es herrschen paradiesische zustände)
    ich putze definitiv mehr, fühle mich aber leider auch schneller durch dreck/chaos gestört.
    kind ins bett bringen ist die einzige aufgabe, die nur ich „erledige“, liegt schlicht und ergreifend am einschlafstillen, ohne das geht hier nämlich nix.
    3. spielzeug
    haben wir weder autos noch puppen, des igels devise: hauptsache aus plastik und möglichst hässlich!
    4. bücher
    bisher nur tierbücher fällt mir da auf…aber ich werde später mal drauf achten.
    5. klamotten
    mein persönliches hauptproblem!
    wir ziehen dem kind halt dinge an, die wir schön finden.
    das sind überwiegend klamotten in blau, schwarz, lila, ab und zu auch mal bunt.
    er hat nur einen body mit aufdruck („ich bin pauli, der igel und sammle im wald pilze“), ansonsten geht sowas gar nicht.
    natürlich sieht er damit astrein nach junge aus, aber ich glaube, bei einem mädchen würden wir keine wesentlichen unterschiede machen.
    ein kleid würden wir ihm jetzt nicht anziehen, wenn er das später selber will, ist uns das wurscht.

    was ich interessant zu beobachten finde: wird der igel weniger getröstet bzw eher mit einem „ach ist doch nicht so schlimm“ als das bei einem mädchen der fall wäre?
    ich versuche darauf zu achten, seine gefühle ernst zu nehmen und ihn angemessen zu trösten, herr schinken ist eher der „nix-passiert“-typ.
    weiß ja nun aber nicht, wie das bei einer tochter wäre…

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