So. Jetzt isses soweit.

22 Okt

Die Welt will mich testen. Ich weiß es. Aber ich werde widerstehen. Eigentlich wollte ich heute einen Eintrag übers Fehler machen schreiben, aber der ist mir zu wertvoll, um ihn in meiner gegenwärtigen Stimmung rauszuhauen.

Ich bin nämlich – ja, was eigentlich? Weiß ich selbst nicht. Weil ich meinen Metareflektionsreflex komplett zu Gunsten des reinen Funktionierens ausgeschaltet habe.  Die Sache verhält sich nämlich so, dass das Elternzeit (und -Geld) nehmende Vatatier sich auf einen längeren Selbstfindungstrip in seine vier Wände verkrümelifiziert hat, und ich nun  mit ’ner 35 Stunden Woche und ’nem attached-geparenteten 71/2-monatigen Schnurps durch den Tag tingele, während ich nachts arbeite.

Jetzt geht das sicher nicht auf ewig so. Und ich habe nicht fünf Schnurpse und muss keine Teeblätter pflücken mit zwei davon aufm Bauch&Rücken. Und ich gönne dem Vatatier diesen Exkurs nicht nur, ich glaube auch, er braucht ihn, um dem Schnurps der Vater zu sein, der er sein möchte. Aber ich muss funktionieren.

Und plötzlich wird mir klar, dass das immer so war und immer so sein wird: Wir sind die MIPs (most important person/s), wir müssen einfach weiterwurschteln und wenn die Apokalypse oder Magendarmviren däuen, egal, Yes, we can. Cause we have no goddamn choice.

Ja,ja, ich soll Euch was Neues erzählen. Aber verdammt, ich hab die Nummer unterschätzt. Nicht die Arbeit, nicht die Anstregung, nicht die Erschöpfung – das ist killefit, wenn Ihr mal über Jahre einen kranken Menschen gepflegt habt (ja,ja ich lass nix aus im Leben an spannenden Sachen) – sondern die gottverdammte, windumtoste Einsamkeit auf der Gipfelspitze des Mutterseins. Schluck. Und da sagt einem wirklich keiner vorher was drüber. Was es heißt, zu wissen, dass da eigentlich keiner ist außer Dir.

Ui,Ui,Ui.

So, mehr Selbstmitleid ist heute nicht drin, muss noch etwa vier Seiten brötchenverdienendes Schreiben hinter mich bringen. Morgen ist das Glas wieder halb voll.

Als Ausgleich für mein Rumgeheule  dieses wunderschöne Stück ECHTER, wahrlich geil und mir aus dem Herzen&Hirn geschriebener BlogLiteratur, mit der ich Euch in den Herbst entlasse (den dazugehörigen Blog gibts hier) :

Irgendwie bin ich ein bisschen herbstig. Der Sommer überfordert mich oft, weil er von mir verlangt ständig rauszugehen. Ja! Luxus-Probleme. Ich habe oft Couch-Potato-Phasen, in denen ich am liebsten den ganzen Tag in der Bude hängen will. Manchmal fühle ich mich draußen nicht wohl, das hat was mit meiner Gesundheit zu tun. Macht mein Kopf nicht mit, mit Kind. Man muss doch raus. Muss doch was sehen, von der Natur. Und überhaupt und sowieso. Abends habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht draußen war. Im Sommer kommt mir der nahende Herbst immer gelegen, weil ich mir einbilde, dass er mich weniger unter Druck setzen wird. Wenn er dann da ist, kotzt er mich an. Er ist grau und maximal fünf Tage bunt. Er macht mir bewusst, dass wieder fast ein Jahr durch ist. Er kündigt den Winter an. Er ist stürmisch und kalt und nass und bäh. Ich gebe zu viel Geld, was ich nicht habe, für „Funktions-Klamotten“ aus, die ich meine zu brauchen.

5 Antworten to “So. Jetzt isses soweit.”

  1. jaris Oktober 22, 2011 um 23:21 #

    Du bist nicht allein!!! Es sagt nur keiner, weil es in unserer bescheidenen Gesellschaft so gewollt ist, dass die Mutti mit ihrem Kinde ganz alleine herumwirbelt getrennt von allem, was ihr helfen könnte. Man sagt ja nicht umsonst, das man um ein Kind groß zu kriegen eigentlich ein ganzes Dorf braucht. Du hast dieses nicht und denkst deswegen, dass das viel zu krass ist – ist es auch für einen allein.

    Was du durchmachst – bedingungslos und voller Liebe – es macht aus dir einen besseren Menschen. Wenn man da durch ist, kann einem keiner mehr das Wasser reichen – verdammt noch mal 😉

    Auch wenn dir meine Worte wahrscheinlich nicht weiterhelfen, dann doch mindestens der Gedanke daran, dass dein Kind es dir (hoffentlich) irgend wann danken wird und sei es nur, dass aus ihm ein geistig gesunder, glücklicher und mit sich selbst zufriedener Erwachsener geworden ist. AMEN 😉

    • ECObabe Oktober 22, 2011 um 23:58 #

      Natürlich helfen deine Worte. Danke schön dafür. Und wie recht du hast, und Nicola auch, die mir lustigerweise genau das Gleiche geschrieben hat. Und der Schnurps dankt es mir ja jetzt schon mit jedem Lächeln. Ja, es bräuchte ein Dorf, um einen Schnurps groß zu ziehen – so wie es die Schnurpse braucht, um die Dörfer daran zu erinnern, warum das alles, alles Sinn macht. Und Tatsache ist auch, was andere Mütter durch machen, stellt alles in den Schatten, was ich je erleben werde. Ist schon eine völlig irre Nummer, das Muttersein. Und allein dafür lohnt es sich, weiter zu kämpfen 😉

  2. moody2366 Oktober 23, 2011 um 15:53 #

    Huiiii 🙂 Vielen Dank für diese Ehrung hier :-*

    Und: Touché! Sehr gut gesagt, das mit der Gipfelspitze! So fühlt sich das an. Und nein, niemand hat vorher Bescheid gesagt. Und ja, man haut sich auf Finger und Herz, weil man doch weiß, dass man es irgendwie eigentlich gut hat. Eigentlich. Irgendwie.

    Aber was tun? Wenn das Leben mal wieder zu klein ist für die große Welt da draußen und der Kopf schon übervoll mit den (scheinbar) kleinen eigenen Portionen… Wo soll es denn hin, das Übel der Welt? Hach naja, ich schwadroniere…

  3. Annschken Oktober 27, 2011 um 21:39 #

    Toller Eintrag!

    Mach dein Ding, und du wirst davon profitieren, wachsen, das Leben von einer neuen Seite entdecken, aber du wirst auch mal einsam sein.
    Als Mutter wird einem diese Erfahrung mit ziemlich hoher Wahrscheinlich zu teil. Und geht dann irgendwann wieder vorbei… und irgendwann trifft man dann eine andere Mutter, der es genauso geht und die ganz erleichtert ist zu hören, dass es nicht nur ihr so geht.
    Das Einzige, was mir dazu einfällt, ist: Familien, lebt wieder mehr zusammen und seid zusammen nicht mehr einsam. Ihr Eltern, als auch ihr Kinder.

    In Neugierde auf deinen Beitrag übers Fehler machen :)… Annschken

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