K-otz.A-rrrgh.R-rrrrrr.E-kelhaft. (VonUnterwegs.)

5 Nov

An manchen (wenigen) Tagen hätte ich gerne viel Geld. Zum Beispiel heute. Dann würde ich es in eine megalomanische SEO-Kampagne mit dem Keyword KARE investieren, die jede Suchanfrage nach diesem Drecksverein (ja, kommt nur und verklagt mich) auf diesen Post hier lenkt.

Warum? Darum! Mit dem Anfängergeist-Blick, den mich der Schnurps jeden Tag lehrt, gehe ich heute so durch die Straße und sehe dabei folgende Aufschrift auf einem KARE-Schaufenster:


Nu kauf ich ja prinzipiel nix Neues, weshalb ich den Laden auch noch nie eines Besuches gewürdigt habe. Aber die Marketingtante in mir denkt – Okay, dass ist zwar offensichtlich nur ne freakigere Version von Habitat, und vielleicht ein bißchen abgefahrener als Butlers, aber an Vivienne Westwood reichts wohl nicht ganz dran – was berechtigt die dazu, sich zu einer Popikone des Antiprüden hochzustilisieren??? Obs dazu wohl noch mehr Thematisches im Laden gibt? Und bin rein.

Direkt rechts kommt eine Regalwand voller bunter Dinge, also so echt vielfarbig, sieht schön aus (ist aber wahrscheinlich alles von chinesischen Kinderhänden produziert, jedenfalls sagt die Webseite nix anderes) und macht Schnurpse sicher irre an. Ich jedenfalls erblicke eine große, gelbe Kanne mit weißen Tupfen und wackele rüber, den Tupfen und ich, wir ziehen einander magisch an.

Für einen RuheVorDemSturm-Moment werde ich nostalgisch, weil ich an meine inzwischen auf einer Wolke die Beine baumeln lassende Mami denken muss, mit der ich als kleines Mädchen immer in Kramsläden „schnöfen“ war (so nannten wir das, alles angucken, nix kaufen, und zuhause was Ähnliches nachbasteln) und überlege mir, ob der Schnurps da auch Lust zu haben wird und was für ein Fest dieser Laden dann für ihn sein muss…dann schweifen meine Augen nach links

UND ICH DENKE ICH SEH NICHT RICHTIG.

SEH ICH ABER NATÜRLICH DOCH.

UND ZWAR DAS HIER:

UND DANEBEN DAS HIER:

Welches amphetaminverseuchte pseudo-popkulturig vermatschte Designerhirn ist bitte in der Lage, sich sowas auszudenken? Und da komme mir keiner mit ironischer Überhöhung. Ich will nicht in einer Welt leben, in der der Schnurps aus Tassen trinken kann, deren Henkel Objekte reproduzieren, die im Moment seines Schluckens überall auf der Welt Kinder ihr Leben kosten (oft genug aus Kinderhänden abgefeuert). Ich will nicht, dass er auf einem Couchtisch eine silbernen Panzer die Spex-Hefte beschweren sieht, während überall auf der Welt die Vorlagen Familienväter überrollen, gesteuert von traumatisierten 18-Jährigen. ICH WILL DAS NICHT.

Ich will nicht, dass der Krieg ein Accessoire wird. Und ich begreife nicht, wie so etwas erlaubt sein kann. Geht nicht in meinen Kopf. Selbst eingedenk aller Auseinandersetzung mit dem neoliberalistischen, radikalkapitalistischen Bockmist, der sich inzwischen soziale Marktwirtschaft schimpft. DAS könnte untersagt werden, ohne dass gleich eine Linke/Grünen/Piratenpartie-Koalition an die Macht kommt. Ohne juristische Probleme. Ohh, grrr.

Nach dem meine erste Wut verraucht ist, frage ich mich allerdings nun umgekehrt: Aber wie erziehe ich den Schnurps denn zum Frieden? Denn „Du-sollst-nicht“ funktioniert ja bekanntlich nie lange.

Mein Gefühl sagt mir

  • mit vielen Menschen um ihn herum, die zusammen Lachen und einander helfen
  • mit immer lecker Kekse auf Demobesuche mitnehmen
  • mit bedingungsloser Liebe
  • mit der Zelebration friedlicher Momente, wie dem gemeinsamen Essen und dem geruhsamen ZuBettGehen
  • mit dem Entfalten der Schönheit der Kreation (Pflanzen, Tiere, Naturphänomene)
  • mit sorgfältiger Förderung seines Empathievermögens
  • mit viel, viel, viel, viel Gewaltfreier Kommunikation
  • mit Musik
  • mit der Förderung seiner makellos vorhandenen Protestkultur
  • mit der Schaffung eines Bewusstseins zum Zivilen Widerstand – jawohl, auch mir gegenüber

Was fällt Euch noch ein? Irgendwie  müssen wir das doch hinkriegen mit der besseren Welt.

Achja, und die Schaufensterbeschritung erklärt sich dann wohl auch von selbst.

3 Antworten to “K-otz.A-rrrgh.R-rrrrrr.E-kelhaft. (VonUnterwegs.)”

  1. Annschken November 18, 2011 um 08:05 #

    Ich würde hier gerne eine kleine Bitte hinterlegen, ganz unaufdringlich:

    Neue Beiträge!!! Neue Beiträge!!! Neue Beiträge!!!

    Man gewöhnt sich an diesen Blog wie an einen Adventskalender, den es schöner Weise schon vor der Weihnachtszeit gibt, und der immer eine wundervolle Anregung bereit hält. Dementsprechend verspüre ich langsam Entzugserscheinungen.

    Bin mir aber auch bewusst, wie egoistisch diese Bitte ist…. darum auch „shame“ on me!!
    Also bitte einfach als großes Kompliment verstehen.

    • ECObabe November 22, 2011 um 09:42 #

      Das ist ja süss. Merci vielmals. Und: I am back. Wie man lesen kann. Wie gut es tut, vermisst zu werden 😉

  2. Nora Amala November 28, 2011 um 14:02 #

    Hi,
    bin gerade auch über die Erwähnung von Frau Windelfrei neu auf Dein Blog gekommen. Ich bin auch ganz interessiert, an dem entstehendem Projekt, wir werden also vermutlich noch mehr voneinander lesen. Ich freu mich.

    Zu der Artikel-Kommentarfrage.
    Ich glaube auch, dass das fast von alleine geht – mit viel bedingungsloser LIebe und Empathie und dem Versuch, die „Erziehungs“-Fehler naja überschaubar zu halten oder wenigstens zu finden sozusagen 🙂 Also einfach in dem wir weiterhin unsere Handlungen hinterfragen und unser Leben leben und vorleben.
    Und was für mich auch ganz wichtig ist: In dem wir den Mut, das Vertrauen entwickeln, die Kinder machen zu lassen – auch andere Ansichten haben zu lassen. In „meine“ und „deine“ Themen zu trennen und ruhig und vertrauensvoll zu bleiben. Das merke ich in Gesprächen immer wieder mit anderen Eltern, wie bereichernd und wichtig das ist, wenn wir einfach weiterhin daran arbeiten out of the box zu denken und vertrauensvoll zu bleiben, bei all den zigtausend Herausforderungen (und ich behaupte nicht, dass ich das so wahnsinnig gut kann). Denn mit Ideologie kommen wir nirgendwohin – wir nicht – und schon gar nicht unsere Kinder (die da ja glücklicherweise eh nicht mitmachen)

    Nora

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