Ich war Feigensenf holen.

14 Aug

Echt jetzt. Bin nun wieder da. Und erschaffe erstmal den absoluten Blog-Albtraum:

Ein Beitrag ohne Bilder. Dafür mit massich Buchstaben. Wer keinen Bock drauf hat, muss ja nicht. Als nächstes gibts dann auch wieder schön was auf die Augen, z.B. meine gesammelten veganen Experimente der letzten Monate – und das, meine Freunde, sind raue Mengen.

Also: Viel ist passiert. Der Schnurps ist 17 Monate alt, saust rum wie ein solarbetriebenes Karnickel & ist quietschfidel. Keine Krankheiten, immer noch ungeimpft, 85% vegan ernährt, windelbefreit, co-schlafend, marsupi&fahrradsitzbefördert (wenn nicht solarbetrieben durch die Gegend…etc.). Er sagt: Mama. Was mich, ich schwöre es, immer noch jedes Mal krokodilstränignah und weichknieig macht. Ich liebe dieses Kind.

Sein wirklich wundervoller Vater & meinereins haben es mirkulöserweise geschafft, eine Familie zu bleiben, ohne ein Paar zu sein. We may not be in love with each other, but we are in love with the same Person (wie das vor sich gegegangen ist und wie wir uns durch die Wut&Trauer hindurchgewuselt haben, dazu an anderer Stelle mehr). Auch ich bin wieder zu 85% vegan. Was echt gut tut.  Habe mein Buchprojekt auf seinen steinigen Weg geschickt (keine Sorge, ich spame Euch noch mit Werbung zu, bis Ihr mich verdammt, aber alles zu seiner Zeit ;). Habe unseren Gemeinschaftsgarten durch die Aussaat & erste Ernte begleitet und dabei unfassbar viel über Gemeinschaftsprozesse & die Natur gelernt. Habe begonnen, wieder mehr Rezepte zu erfinden & zu kochen (siehe oben), mit dem Schnurps an meiner Seite auf dem Küchentisch thronend. Habe an einem Genossenschaftsprojekt mitgebastelt. Habe mich mit Wohngemeinschaften beschäftigt, aber noch keine BauchgefühligFürUnsRichtige gefunden.  Und habe über das ECObabe nachgedacht. Was es eigentlich ist.

‚Cause one thing is for sure: Der Schnurps ist kein Ecobabe mehr. Sondern ein EcoToddler. Also wird das hier jetzt wohl offiziös ein Kleinkindblog. Ist doch auch nett.

Dafür ist mir etwas anderes besonders klar geworden. In dem Kindersozialisationsgewusele, an welchem ich mit dem Schnurps tagtäglich teilnehme (da er ja noch nich inner KITA ist, renne ich von Kindergruppe zu Kindergruppe, damit das bemitleidenswerte Einzelkind auch ja SOZIAL wird. Ein Fetisch, schon klar, aber ich kann nicht anders, ich war einfach selbst zu allein) plötzlich Fleisch&Körper Mütter treffe, die wunderbar, toll & liebevoll sind und niemals jemand gehabt haben, der ihnen gesagt hat, dass man die Plazenta nicht abschnippeln muss, Impfen keine Pflichtveranstaltung ist, Menschinnen in Geburtshäusern nicht reihenweise krepieren, Kinder schlafen können, weshalb sie es auch nicht lernen müssen, das Wochenbett auch mit veganen Suppen überlebt werden kann…und dergleichen mehr. Und nun sind sie vorbei, diese ersten, magischen 21 Monate, und wenn ich ihnen erzähle, wie sie hätten sein können, sind sie ein bisschen traurig. Oder entgeistert. Oder Beides.

Weshalb ich mich echt zurückhalte mit dem Erzählen, es sei denn, ein weiterer Familiezuwachs ist geplant. In einem solchen Fall würde ich denen gerne sowas wie einen alternativen Reiseführer zu Schwangerschaft, Geburt und 1. Jahr in die Hand drücken können, in dem alle kontramainstreamigen, nachhaltigen, spirituell sinnigen, naturgemäßen, furchtlosen, zukunftsgewandten etc. pp. Praktiken drin zu finden ist, die mich inspiriert und begleitet haben in den ersten 21 Monaten mit dem Schnurps & ihn zu einem glücklichen, gesunden Kind mit einem vertretbaren ökologischen Fußabdruck gemacht haben, mit ausführlichsten Literaturangaben und Adressenverzeichnis, mit einer schönen, konstant akutualisierten Linkdatei im Netz, mit vielen Bildern, zum sich aufs Sofa knallen und festlesen.

Gibt’s aber nicht, so’n Buch. Oder ich habs nicht gefunden, trotz Suuuuuuuuuuuuuuuchens. Falls Letzteres der Fall ist, sagt mir UNBEDINGT Bescheid. Gab nur ganz viele Bücher, ein Jedes zu einem anderen Thema. Deshalb habe ich nach viel Rumgewälze beschlossen, selbst eins zu schreiben. Das Ecobabe-Buch.

Ich hege eine wirklich seeeeehr tiefe Abneigung gegen jedes Prophetentum. Es ist neben seinem imperialistischen Gehabe auch noch so verdammt unsexy. Missionare gehören in Melasse getränkt und vor Ameisenhaufen geklebt. Deshalb habe ich mir diesen Buchschreibegedanken bei seinem Auftauchen direkt wieder verboten, bis mir aufgegangen ist, dass der Blog genau dasselbe tut, nur auf seine virtuelle Art irgendwie sweet genug rüberkommt, um nicht zeigefingerwedelnd zu sein. Also hab‘ ich mich des nächtens mit noch mehr Schnurpsaufklärungsbüchern als zuvor schon verlustiert (yup, es ist kein neuer Mann in meinem Leben – aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Nacht) und nun ist der Moment gekommen, wo ich das Gefühl habe, ich hätte vielleicht, ganz vielleicht, einen ausreichenden Überblick, um mich ans Werk zu machen.

Was mich zu einem monumentalen Riesenproblem bringt. Gleichzeitig habe ich mich nämlich ebenfalls noch intensiver als zuvor mit der Idee der Commons, Allgemeingüter, dem Tauschen, der Schenkökonomie beschäftigt. Und schreie die ganze Zeit, YippiehYeah, genauso soll es sein!!!! Geld ist so scheißestinklangweilig, je weniger ich davon sehen muss, desto besser bin ich gelaunt. Auffer einen Seite.  Auffer anderen steht der Schnurps und will studieren. Oder um die Welt fahren. Oder braucht irgend ne abgefahrene OP, die seine abgebrannte Mutter nicht bezahlen kann und der Chirurg iss weniger an Tauschgeschäften (Na, einmal Blinddarm raus gegen 435 Cupcakes, ham wa ’n Deal, oda was???) interessiert als ich. Da kann ich wohl kaum auf einen Staat verweisen, an den ich nicht glaube, und der außerdem eh blank sein wird, wenns soweit ist.  Zusammenfassend: Ich bin immer noch nicht ganz soweit, dass ich die letzten Leftovers meiner existenziellen Angst zugunsten totalen Open Sources (einschließlich Kühlschrankinhalt) hinter mir lassen könnte. Erbärmlich, aber wahr.

Also, mein Ideal wäre: Buch schreiben, als schön designes PDF auf diese Seite zum Download stellen, büschen Online-Marketing lostreten, auf die virale Flut warten und alles sind glücklich. Aber dann ist da die Versuchung des Publizierens. (Was eben nicht umsonst das Wörtchen „zieren“ verschlungen hat – ich ziere mich vor dem Loslassen.) Versuchung weil Geld. Rest siehe oben. Und jetzt suche ich nach Lösungen. Bis jetzt bin ich auf diese hier gekommen:

  1. „Wat solls“  jubilieren, mich selbst in den kapitalverhafteten Hintern treten und alles für umsonst hier reinklotzen.
  2. Eine Kurzfassung for free und eine schön gemachte Langfassung für die Betuchten (teuer wirds eh nicht).
  3. PDF-Download gegen Spende, wer kann und wer nicht, dem vergelt’s die Göttin.
  4. Selbstverlag aufmachen, einen winziglichen Preis ansetzen und herschenken, wenn eine_r es nicht zahlen kann.
  5. Mit vom Verlag genügend Exemplare schenken lassen um sie dahin weiter zu verschenken, wo keene Kohle ist.

Was sagt Ihr? Her mit den Ideen. Her mit der herben Kritik. Ich bin sehr gespannt.

12 Antworten to “Ich war Feigensenf holen.”

  1. Jasmin August 14, 2012 um 20:06 #

    Schön dass Du wieder zurück bist! Ich hatte Deinen Blog gefunden und ihn abonniert weil er mir echt gut gefallen hat! Hab mich in so vielem wiedergefunden! Und dann kam nix 😦

    um so mehr freu ich mich über Deine Fortsetzung!!

    zum Buch kann ich nur sagen GO FOR IT!!!!!

    und es darf/sollte (?) auch ruhig was kosten, Du steckst schliesslich ne Menge rein! Das solltest Du Dir wert sein 🙂
    und Geld gehört nunmal zu dieser Welt……..^^

    • ECObabe August 14, 2012 um 23:37 #

      Und ich freu mich, dass Du Dich freust! Gehört Geld zu dieser Welt? Ja, tut es. Können wir eine andere Welt herbeidenken / handeln, wenn wir uns nicht zuerst vom Geld verabschieden? Hmmmm… genau da steckt die Verzwickung. Aber es tut gut zu wissen, dass es mir zumindest nicht übel genommen würde.

  2. Christiane August 15, 2012 um 06:15 #

    Ich tausche dann gegen Sachen für den Schnurps und freue mich aufs Buch.. UNd schön das Du wieder da bist.. Und das geht mir nicht aus dem Kopf.. wie bekommst du den Schnurps noch in den Marsupi, der hat doch den Ministeg und vor allem kann man den nur vorne tragen oder meinst Du was anderes? Marsupi ist der mit dem Klettverschluss vorne.
    Lieben Gruß
    –Christiane

    • Christin August 15, 2012 um 17:52 #

      Das frag ich mich auch – oder wiegt der Schnurps nur sechs Kilo? Weil als unsere Schnurpseline dieses Gewicht erreicht hatte, bekamen wir (Auserwählter und ich) schlimme Rückenschmerzen bei mehr als dreißigminütigem Tragen, weil der Marsupi sooo wenig gepolstert ist.

    • ECObabe August 15, 2012 um 21:29 #

      Ne,ne, ich meine DEN Marsupi, „zugelassen“ bis 15 Kilo. Schnurps wiegt jetzt so um die 10,5 Kilo. Und der Steg ist doch super breit, der wird nur mit dem Bändiger schmal. Ich muss sagen, ich find den Marsupi ideal gepolstert – aber so ist halt jeder anders, gerade bei Tragemöglichkeiten. Allerdings: Ich habe auch lange Leistung geschwommen, Rückenkraul, ich hab‘ den Rücken von ’nem Pferd, merken tu ich das Gewicht erst nach etwa zwei Stunden – und so lang isser ja im Leben nicht mehr drauf. Meist nur, wenn keine Zeit ist, ihn Laufen und alles begutachten zu lassen oder wenn wir wohin nicht mit dem Fahrrad fahren können. Aufm Rücken tragen ist irgendwie nicht meins – ich red‘ halt viel mit ihm und finde den Augenkontakt schön – so hat sich das nie ergeben und er scheints immer noch zu mögen.

  3. kittiefred August 15, 2012 um 17:17 #

    Wie wäre es mit „Geborgene Babys“ von Julia Dibbern?

    • ECObabe August 16, 2012 um 15:39 #

      Guckst Du meinen Beitrag von heute 😉

      • kittiefred August 16, 2012 um 19:01 #

        Aha, Du kennst ihr Werk also schon 😉

        Dann sprich doch mal mit ihr. Sie hat ja den selben (einen ähnlichen) Weg gewählt den Du anstrebst. Mit Eigenverlag und so… Ist ne nette 😉

      • kittiefred August 16, 2012 um 19:02 #

        PS: dann noch „Die neue Elternschule“ von Margot Sunderland 😉

  4. Christin August 15, 2012 um 17:58 #

    Und wegen dem Schreibsprojektdings: Tauschgeschäft – super Sache! Ich würde dir dafür all unsere selbstgeernteten Tomaten vom Balkon schicken! Basteln kann ich auch ganz gut. Oder falls du mal ne Übersetzerin brauchst…

    • ECObabe August 16, 2012 um 12:26 #

      Na, alle würde ich natürlich nicht annehmen 😉 Aber auf das Basteln komme ich dann zurück. Endet bei mir nämlich bestenfalls mit heftigem Fluchen…

  5. Sebastian September 3, 2012 um 20:23 #

    die Juliane dippern ist ja nun auch bei einem anderen Verlag: tologo und die haben die Zeitschrift “unerzogen“ im Angebot. die ist sehr empfehlenswert, gerade wenn es auch darum geht, wie die Kindlein aufwachsen, welche sozialen Kontakte sie brauchen und wie das mit dem studieren so ohne Kohle funktioniert.
    ich finde den Minuto von Konstantin Kirsch ganz interessant – kennst du den schon? und Tausch-Ökonomie finde ich auch spitze.
    und bitte schreibe dein Buch!!! es gibt bis auf die geborgenen Babys nicht so viel zu diesem Thema, ich finde es kann nicht genug davon geben, es bekommt ja auch deinen touch und als eBook betreibt auch ein Freund von mir seine Bücher – sollte tologo dich nicht wollen, kann ich dich ja vielleicht verlegen, je wie es so ist 😉
    alles Liebe und ich mag deinen Blog, schön, dass es wieder weiter geht,
    Sebastian

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