Welcome to the Dark Side aka GermanSpielplatzAngst (& BlaubeerVanilleBananen – Muffins)

21 Aug

Ein paar von Euch haben sich gewundert, dass der Schnurps noch per Marsupi durch die Gegend gewuselt wird. Und ich habe mich gewundert, dass es da was zu wundern gibt, weil es mir & dem Vatertier so himmlisch bequem vorkommt. Um das Ganze ausreichend zu abstrahieren, hab‘ ich Mr. Schnurps und seinen Chauffeur eben abgelichtet.

Sieht das nach Kinderquälerei aus? Seid ehrlich! Gesponsort bin ich natürlich weder von dieser Firma noch einer anderen; wie 99% meines Interieurs ist auch dieses Teil zweiter Hand in unser Leben getreten.

Ansonsten wollte ich ja heute eigentlich übers Abstillen schreiben. Aber dann sind da zwei Dinge passiert, die erstmal aus mir raus müssen – abgesehen von meinem neuen Muffin Rezept, das ganz fluffichpazifistisch weiter unten um die Ecke kommt.

Erstes Ding: Ich bin ja nun schnurpsaltersbedingt staunend-teilnehmender Nutznießer eines völlig neuen Soziotops, dessen subtile Verhaltensregeln sich mir auf das uneinholbarste entziehen und abhängig von meiner eigenen Tagesverfassung abwechselnd zu Galgenhumor und finstersten Mordgelüsten brennender Sorge führen. Mit anderen Worten: Wir besuchen Spielplätze. Okay, DAS hatte ich mir ein Eckchen, hm,  idyllischer?? vorgestellt. Ich habe gerade begonnen, einen Spielplatzknigge zu schreiben, um zumindest einem Teil meiner Fassunglosigkeit Herr Dame zu werden. (Da fragt Ihr Euch doch sicher, ob diesem Projekt das gleiche traurige Schicksal der Endlosigkeit beschieden ist wie der alternativen Erstaustattungsliste, hm? Keine Sorge, auch an dieser sitze ich wieder. )

Also, an anderer Stelle die gesammelten Monströseligkeiten unserer Spielplatzerfahrung. Heute nur soviel. Ich habe jetzt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen

1. eine halbe  Stunde damit verbracht, den Schnurps vor einem frühzeitigen Ableben durch wilde Hiebe mit scharfkantigen Schaufeln zu bewahren, verursacht durch seinen naiven Wunsch, bei einem schon im Gange seienden Sandburgbauprojekt mitzumachen. Das faszinierende daran: Sobald ich meine Wut über diese Minimonster überwinde, in ihrem Verhalten eine irgendwie geartete Imitation ihrer Eltern sehe, mein Herz in Liebe öffne und mit ihnen ZU REDEN beginne, verwandeln sie sich innerhalb von Minuten in kooperative, einfallsreiche Spielgefährten, die wieder Zugang zu ihrem eigeborenen, sozialen Selbst haben.  Ich habe aber tatsächlich beobachtet, dass es länger dauert und schwieriger wird, zu ihnen durchzukommen, je älter sie werden.

Und ich rede hier nicht von den entwicklungspsychologisch  notwendigen Phasen der „Ich-Entdeckung“, mit der Grenzziehungen zum eigenen Raum und Eigentum einher gehen. Ich rede davon, sich schnell und ohne Warnung physischer Gewalt zu bedienen, unter Inkaufnahme einer Verletzung des anderen, um einen Raum zu verteidigen, der eigentlich allen gehört.  Das ist krank. Und ja, widersprecht mir. Ich habe lang über die  „Sie wissens nicht besser“ – Möglichkeit nachgedacht. Es stimmt, das tun sie wirklich nicht.  Und sie können tatsächlich nichts dafür – sie kooperieren bloss mit dem zwanghaften Eigentumsverteidigungsmodell ihrer Eltern.  Welches völlig verblindet ist – denn wenn diese Schnurpse groß sind, wird die Ressourcenverknappung nur noch demjenigen einen darwinistischen Vorteil einräumen, der zu teilen gelernt hat. „Access“ (Zugang) wird das Schlüsselwort sein, nicht mehr „Ownership“ (Besitz). Wie schrecklich, dass nicht einmal Mütter das begriffen haben. Schätze, der Leidensdruck ist immer noch nicht hoch genug. Tut Euren Kindern den Gefallen UND BRINGT IHNEN TEILEN BEI!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Sie werden es bitter, bitter nötig haben.

2. den nettesten, herzensbesten kleinen Jungen kennengelernt, der mir je begegnet ist. Er hat dem Schnurps mit seiner Trinkflasche gefüttert, ihn abgebusselt, als er hingefallen ist, für ihn Seifenblasen gepustet und alles, aber auch alles mit ihm geteilt. Und wo kam er her? Aus Bulgarien. Ich sag’s jetzt einfach so, wie es ist. Wenn ich aufn Spielplatz gehe, schaue ich mich erstmal nach den ausländischst aussehenden Kindern um, die da sind, und in deren Nähe setze ich dann den Schnurps (der ja selbst zu einem Viertel Ägypter ist). Weil sie nicht so verbiestert aussehen. Weil ihre Eltern zusammensitzen, selbst wenn sie einander nicht kennen, statt sich von Kopf bis Fuß zu mustern. Weil die Kinder tatsächlich aufeinander zugehen, statt sich an ihr Spielzeug zu klammern und papageienartig „meins“ zu plärren. Und noch aus hundert anderen Gründen. Ja, dass ist invertierter Rassismus. Ja, ich weiß, dass das keine allgemeingültige Regel ist. Aber ich für meinen Teil fahre gut damit, mich von der German Angst nicht auch noch auf den Spielplatz verfolgen zu lassen.

Zweites Ding:  Gestern habe ich erfahren, dass die elterninitiierte Kita einer Freundin nicht zustande kommt, weil die Eltern sich nicht über den Umgang mit körperlicher Züchtigung einig werden konnten. Sie hatte klargestellt, dass sie ihrem Kind unter keinen Umständen eine runterhauen würde, eingedenk der Tatsache, dass sie ihren Mann ja auch nicht schlägt und der schon groß ist, woraufhin ihr mitgeteilt wurde, dass das eine arrogante Haltung sei, denn diese Dinge kämen nun mal vor und wären unter verzeihlichem menschlichen Versagen einzuordnen und sie solle nicht päpstlicher sein als der Papst. Schock. Also ist es im 21. Jahrhundert mitten in Deutschland offensichtlich ein Zeichen fortschrittlichen Denkens, wenn die körperliche Züchtigung zwar per se für nicht gut befunden, gelegentliche Ausrutscher aber mit gegenseitigem InDenArmGenehme als Kollateralschaden der ja nervlich so belastenden Kindererziehung betrachtet wird.  Denen haben sie doch in den Kopf defäkiert. ES GIBT KEINEN GRUND AUF DER WELT, DER DAS SCHLAGEN EINES KINDES RECHTFERTIGT. Und es ist durchaus möglich, sich nicht dazu hinreissen zu lassen, thank you very much.

Nach diesen Erlebnissen der unmenschlichen Art brauchte ich was Süsses. Pronto.  Und habe zwei neue, vegane Muffinrezepte kreiiert. Eins kommt jetzt. Das andere irgendwann diese Woche. Enjoy.

BlaubeerVanilleBananenMuffins

(Jaja, irgendwann werde ich mal ausrechnen, welchen CO2-Abdruck meine Rezepte hinterlassen – im Moment ist meine Faustregel: Mindestens 2/3 des Rezeptes müssen regional und saisonal sein. Bleiben Zimt, Vanille, Bananen. Aber ich bin eben keine Heilige. Und wenn, dann die Heilige der sporadisch Sündigenden. Muss es doch auch geben oda?)

100g Margarine

150 g Rohrzucker

1 Pck. Vanillezucker

2 kleinere Bananen

250 ml Vanillesojamilch

300 g Mehl

1 Pk Weinstein Backpulver

200 g Heidelbeeren

1 TL Zimt

So wirds gemacht:

Margarine mit Zucker und Vanillezucker schaumig rühren. Die Bananen in der Vanillesojamilch zu Mus zerdrücken und mit dem Schneebesen verquirlen. Diese Pampe nach und nach unter die Zuckermasse rühren.  Mehl und Backpulver vermengen und löffelweise unter den Teig heben. Frische Blaubeeren waschen & abtropfen lassen, Gefrorene auftauen lassen und in Mehl wenden. Blaubeeren behutsam unter den Teig heben.  Je 2 1/2 El des Teiges in die mit Papierförmchen ausgelegten Vertiefungen des Muffinblechs füllen. Der Teig kann ruhig ein wenig überstehen, um hinterher schön kurvig rauszuquellen.  Rohrohrzucker mit etwas Zimt vermischen und über den Teig sprenkeln. Bei 175 °C ca. 35 min backen.

Alles wird gut.

9 Antworten to “Welcome to the Dark Side aka GermanSpielplatzAngst (& BlaubeerVanilleBananen – Muffins)”

  1. berlinstory August 22, 2012 um 17:23 #

    Ich fühlte mich vom Tragebild angesprochen, daher: Aus Trageberaterinnensicht ist dein Schnurps aus der Marsupi rausgewachsen und bräuchte eine Tragehilfe mit breiterem Steg, da die Marsupi nur etwa bis Gr 68 wirklich von Kniekehle zu Kniekehle geht und damit die physiologisch „normale“ bzw. beim Tragen gesunde Haltung fürs Kind möglich ist. Kinderquälerei – sich nicht. Wenn ihr aber weiterhin vorhabt zu tragen, wäre es vielleicht sinnvoll, im Sinne des Schnurps´schen Rücken und seinen Hüften auf eine Toddler-Trage umzusteigen – Emei, Buzzidil, FräuleinHübsch oder Huckepack ToddlerSize, Mei Tai….Liebe Grüße! Kathrin

    • ECObabe August 22, 2012 um 21:46 #

      Das ist ja ein toller Tipp – danke Dir! Ich trage den Schnurps übrigens häufig einfach im Hüftsitz mitm Didymos, finden wir beide sehr entspannt, ist aber für den Vater nix. Daher ist Deine Aufzählung super hilfreich. Einzige Sache: Vatertier hasst langes Gewurschtel, deshalb fand er den Marsupi so gut…ohne Deine Hilfsbereitschaft überstrapazieren zu wollen, was hältst Du denn vom ERGObaby?

      • Ewa August 24, 2012 um 07:04 #

        ich bin keine Trageberaterin, aber wir haben den Ergo und Manduca, und mein Mann (der noch nie ein Tragetuch gebunden hat) trägt mit beidem gerne (und kann es sogar selbst) 🙂

      • ECObabe August 24, 2012 um 13:47 #

        Super, nun ist es entschieden, morgen wird ein Ergo ersteigert.

  2. Boxi43 August 23, 2012 um 17:53 #

    ich bin zwar (noch) keine trageberaterin wollte aber mal kurz meinen senf dazu geben.
    wir tragen unseren sohn seit er 9 monate alt ist im ergobaby auf dem rücken und lieben es. mittlerweile ist er 2, läuft meistens aber wenn er nicht mehr will oder es schnell gehn soll steigt er einfach ein… und unterhalten kann man sich trotzdem super. also wir möchten den ergo nicht missen und haben auch ein gutes gefühl was den tragecomfort und die korrekte haltung für ihn angeht…

    • ECObabe August 24, 2012 um 13:46 #

      Dankeschön fürs Feedback. Das „noch keine“ klingt ja schon mal vielversprechend 🙂

      • ba3by August 26, 2012 um 12:11 #

        Hallo,
        schön dass Du wieder da bist (schreibst).

      • ECObabe August 26, 2012 um 16:33 #

        Danke!!!!

  3. kittiefred August 28, 2012 um 07:40 #

    Liebe Ecobabe-Mama,

    ich häng mich mal an die anderen Kommentare dran. Ich würde den Marsupi sofort in den Schrank legen, noch nicht mal wegen der nicht ganz superperfekten Haltung Eures Schnurpses, sondern wegen der elterlichen Bequemlichkeit. Die Schulteträger sind nämlich zu schmal und werden irgendwann drücken. Ich empfehle Euch eine Trage für größere Kinder, wie die oben schon genannten oder eine der Luxusvarianten wie von Frl. Moseskinder: http://moseskinder-meitai.blogspot.de/
    Die sind saubequem und es ist nicht viel Getüddel und sie haben sehr coole Designs… 😉

    Und dann muss ich direkt noch etwas bemängeln, obwohl ich sonst bei allem unterschreibe was Du hier kundtust. Und zwar sehe ich die Spielplatz-Teil-Situation anders. Mir persönlich sind kleine Mädchen die an der Schaukel stehen und als erstes brüllen „Aber immer ABWECHSELND“ ein Graus. Kinder die von Anfang an darauf getrimmt werden abzugeben und zu teilen tun das dann mit einer korrektheit und einem unangenehmen Grechtigkeitsempfinden(tonfall). Kinder die man mit dem Thema in Ruhe lässt, erfahren irgendwann von selber wie es sich anfühlt von selber etwas abzugeben. Und erleben das als etwas nettes von innen kommendes und nicht als eine verpflichtende Sache von Aussen. Mit der ersten Methode produzierst Du Menschen die immer artig teilen und aber auch immer das Gefühl haben selber nicht genug abzubekommen. Alles natürlich sehr vereinfacht!
    Bei Alice Miller kannst Du dazu sehr spannende Ausführungen lesen. Sie ist Analytikerin (was ich eigentlich nicht so prickelnd finde, aber bei dem Thema hat sie wirklich gute Texte).
    Und auch der tolle Herbert Renz-Polster hat etwas sehr gutes über die Spielplatzsituation geschrieben. Die alternative zu kleinen Abwechselnd!-Robotern ist ja nicht, dass wir die kleinen Leute allein lassen und zuschauen wie die sich die Köpfe einhauen (die regeln das schon alleine!). Wir können sie begleiten, Situationen regeln. Dabei sein. Bestimmte soziale Fertigkeiten werden eben nicht mitgeliefert…
    Artikel (zum kaufen) in der unerzogen: http://www.unerzogen-magazin.de/archiv/?view=ad&aid=176&mid=11

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