Gerade kämpfe ich ein bisschen mit mir.

26 Aug

Abgesehen davon, dass bis morgen acht Uhr die Frühstücksbrötchen in Form eines länglichen Textes über Stammdatenmanagement geschrieben sein wollen (allein erziehende Mütter stellen definitiv weniger Fragen, wenns ums Geld verdienen geht), bin ich dieser letzten Tage generell ein wenig uneins mit mir & meiner Radikalität. Beziehungsweise ihrem Nichtvorhandensein.

Ich habe ein paar Artikel in der Pipeline, um genau zu sein, fünf Stück: Übers Selber-Abstillen und andere Identitätskrisen, Langzeitstillen & Sex, Dem Schnurpschen Fluss der Dinge, Mutterspezifischer Kreativität & meiner neuen, bahnbrechenden Erfindung, dem N20M (CLIFFHANGER, or what????), aber frage mich während des Schreibens die ganze Zeit abwechselnd, ob ich weit genug gehe oder schon viel zu weit.

Das Ergebnis ist folgerichtig unzumutbar, denn, wie jeder weiß, ist es absolut tödlich, während des kreativen Prozesses die kritische & die intuitive Phase  durcheinanderzuwurschteln und den inneren Zensor schon aus der Schreibstube zu lassen, wenn das Kind noch spielen will.

Deshalb vertage ich das Weiterschreiben und verweise für heute an einen Mann, der sich die Frage nach dem „Wie radikal will ich leben“ schon beantwortet hat.

Ich frag‘ mich bei solchen Biopics dann immer: Würde ich dem Schnurps dieses Leben wünschen? Sollen wir jetzt sofort auf Land gehen, das Paradigma, das ich noch von innen aufzubrechen versuche, verlassen und uns ein Arkadien bauen, in dem wir nachts beim Mondschein Kräuter pflanzen? Oder soll ich ihm lieber eine Grubenleuchte zum 2. Geburtstag schenken, damit Containern früh zu etwas abenteurlich-selbstverständlichem für ihn wird?

Und kenne die Antwort nicht. Wie so oft 😉

Aber unser Leben hat der Film dennoch jetzt schon verändert:  Weil er wiedermal bestätigt, dass Schnurpse intuitiv immer alles richtig machen. Teller ablecken, zum Beispiel. Wie geil ist denn bitte dieses ErstAbleckenZumFettablösenDannNurNochInDieMolkelaugeRein? Ich wusste doch, dass das Sinn macht – ist ja auch viel zu spassig, um nicht noch einen tieferen Zweck zu haben, das GeschirrAbgeschlabbere. Nur die Molke ist leider so unvegan. Damn it. Deshab machen wir das bei uns jetzt so: Erst ablecken, dann mit paar Essig abwaschen. GEHT SUPER!!!!!! Probiert das mal aus. Und der Schnurps lacht sich jedesmal scheckig, wenn uns die Soße vom Kinn trieft. Wieviel besser kanns denn werden – Kind erheitert & Planet glücklich.

P.S. Wisst Ihr, was mir an Gottfried noch sehr gefällt? Seine Denkpausen vor jeder Antwort. Das sich-Zeit-nehmen für die Frage. Und die mich fast immer überraschenden, sehr, sehr klaren Antworten.

4 Antworten to “Gerade kämpfe ich ein bisschen mit mir.”

  1. summerjen August 28, 2012 um 16:34 #

    Liebe Caro – die Frage ist, WILLST Du TATSÄCHLICH so radikal sein?
    Ja, ich würde es Dir zutrauen. Aber ob Wunsch, Ziel und Ergebnis deswegen Dich und Deinem Seelenfrieden entsprechen würden?
    WAS soll Dein Kind in Zukunft leben? Und ist es dann auch das, was Dein Kind möchte oder nur das, was Du selbst als gut heißen würdest (wo wir wieder beim erzwungenen „Eltern-Träume-leben der Kinder“ wären)?
    Hm. Ich finde es immer grenzwertig, wenn das Wesen nicht selbst die Wahl hat. Aber was ist Wahl lassen, was ist vorleben, was ist einfach nur ein Mitgeben der eigenen Ideale…

    • kraehenmutter August 28, 2012 um 17:51 #

      danke für dieses video – hammer typ.
      also darüber muss ich noch ein wenig nachgrübeln, bin noch etwas sprachlos.

  2. mrs p. August 29, 2012 um 19:45 #

    Ich habe mir gerade alle drei Videos angeguckt. Wow! Er ist sehr konsequent, aber auch sehr realistisch- ja, so zu leben (in der heutigen Zeit) hat seinen Preis! Ich bin außerdem begeistert von der Beziehung, die, trotz manch unterschiedlicher Ansichten, funktioniert. Ich weiß nicht, ob ich so leben könnte oder wollte, aber inspiriert hat Gottfried mich und zum (weiteren) nachdenken über „wie will ich mit meiner kleinen Familie leben“. Danke!

  3. catzenkind August 29, 2012 um 20:30 #

    ich bin da einst im fernsehen drübergestolpert. und ich finde ihn auch sehr klar, reflektiert und realistisch; ich mag, dass er auch die rolle des journalisten als repräsentat des establishments thematisiert und wie offen er mit den konflikten umgeht, die ihm aus seiner lebensweise entstehen. schön, dass du wieder da bist.

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