Alone at Home

14 Jan

Ich weiß, heute ist nicht der 01.01., sondern der 13.01.2013. Ist doch auch ein schönes Datum, um wieder zu schreiben. Mein Notebook ist gestorben. Hat bisschen gebraucht, mich mit dem Ersatz zu befrieden.

Zwei Uhr morgens. Ich bin allein daheim. ALLEIN. Nach 22 Monaten und 4 Tagen schlafe ich die erste Nacht ohne den Schnurps. (Abgesehen von dem einen MagenDarmGrippeStunt vor ’nem Monat , aber da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Kurzzeitgedächntis wurde im Klo versenkt, nachdem die Galle aufgebracht war. Hm, Yummie.) Besser gesagt: Schlafe eben NICHT ohne den Schnurps. Weil das Bett sich in diese große Wüste verwandelt hat, auf der Strohballen geisterhaft hin und her rollen und eisige Winde die Kopfkissen glatt streichen. Schluck.

Schnurps war mit Vatern feiern. Kosheres Essen gabs auch. Er hatte den Spass seines Lebens (wurde mir zumindest eben weis gemacht), hat bis Mitternacht mit Oliven jongliert & sich umtanzen lassen & ist dann im Auto weggeknackt, welches zu Vatern vor die Tür gefahren wurde, was unglücklicherweise von mir ungefähr stadtweitbreit entfernt ist. Ja, ich hätte ihn noch holen können. Aber wir haben stegreifartig entschlossen, es gut sein zu lassen, ist ja auch an der Zeit, das Wuschelmonster wird bald zwei, da kann er ja wohl mal in Vaterns haariger Armkuhle nächtigen und ungeplant sind solche Einschnitte eh immer am leichtesten. Dachte ich.

Nun nehmen meine Brüste langsam aber sicher das Gewicht von zwei DemeterKuhEutern an (das hab‘ ich nämlich komplett verdrängt, ich stille ja noch, ich Deppin, zum Abpumpen iss nix da, was mach ich jetzt????), der ansonsten treusorgende Hund ist ja leider tot (seit paar Monaten, andere Geschichte, reden wir nicht drüber, will ja nicht von WordPress wegen Überschwemmung verklagt werden) und so bin ich ALLEIN. DAHEIM. Lustich isses nicht.

Und dass es nicht lustich ist, ist nicht lustich. Also nochmal oben drauf. Schließlich hab‘ ich von Anfang an gearbeitet. Bin dran gewohnt, den Schnurps sechs Stunden am Tag den treusorgenden Armen seines grandiosen Papas zu überreichen. Aber die Nächte. Die kleinen Extremitäten, die es schaffen, nachts auf 1,80 x 1,80 anzuwachsen und ÜBERALL zu sein. Das leichte Atmen, gegen dessen Niedlichkeit ein sanftes Rascheln des Frühlingswindes im Birkenwäldchen ein armseliges Föhngeräusch ist. Seine kalte Nase, die er morgens in mein Ohr bohrt, bevor er „Heeeello?????“ kräht. Alles wech. Scheusslich.

Das hat mir keiner gesagt, dass die Kombo von Attachment Parenting und Alleinerziehend zu solchem HerzSchmerz führt. Dabei weiß mein Hirn natürlich genauestens um die enorme Wichtigkeit des Loslassens für eine liebevolle Bindung. Und den ganzen Schmonz. Und vor heute abend war ich auch ganz bereit, mit seelenruhigem Lächeln und dem mir eigenen, leicht arroganten „Ich weiß schon, was ich tue“-Habitus zu verkünden, dass ich den Schnurps natürlich ziehen lasse, wenn er eines Tages mit lässig über die Schulter geworfenem Kissen vor mir steht und sein eigenes Bett will – also so mit 15.

Aber es ist schwer. Die Höhle wird kälter. Und ich muss mir das eingestehen, egal wie bestenfalls bemitleidenswert und schlimmstenfalls milde inzestiös es sich anhört. Natürlich wäre es anders mit Partner. Natürlich projiziere ich einen Teil meines Nähebedürfnisses auf den Schnurps. Natürlich muss ich dieses Tal durchschreiten und auf der anderen Seite mit zwei lachenden Augen wieder rauskommen, wenn ich die Mutter bin, die ich sein will (irgendwas stimmt an der Grammatik dieses Satzes nicht, aber ich bin zu müde, ums heraus zu finden). Nur heute werde  ich so richtig  leiden. Und baden gehen. DAS habe ich nämlich auch seit einer Weile nicht gemacht. Wenn auch aus anderen Gründen. Die Ihr hier lesen könnt. Oder hier:

cover      So. Wer nun so tapfer war, meinem Selbstmitleid bis hierhin nachzukriechen, kriegt dafür  auch was Feines. Mit dem neuen Jahr fange ich nämlich an, schöne Dinge zu verschenken, die Euer Augenmerk auf lohnenswerte Sachen lenken sollen.

 

 

 

 

 

Und fange mal mit dem tollen City-Poster der Oya an:

poster

Das gibts dreimal zu verschenken, jawohl.

Und zwar an die ersten drei Menschen, die mir Ihr leckerstes veganes Rezept schicken. Das ich dann nachkochen und veröffentlichen darf. Weil ich nämlich wieder vegan werde dieses Jahr. Und der Schnurps muss mit. Dazu gäbe es fei auch noch viel zu erzählen. Aber jetzt bin ich wirklich müde. Vielleicht schlaf‘ ich einfach aufm Sofa. Gehabt Euch wohl!

Nachtrag: Es ist 03.48 Uhr. Und ratet mal. Ich schlafe immer noch nicht. Verknuspere Dinkelstangen und Vanille Chai. Gucke solche Sachen hier:

Gerade wird mir zum ersten Mal klar, auf welch absolut unbeschreibbare Weise ich niemals mehr sein werde, wie ich prä-Schnurps war. So habe ich mir das epochal-megalomanische Ausmaß meiner Verwandlung noch nie bewusst gemacht. Scary. Als hätte der Schnurps jede meiner Zellen einmal von innen nach außen gekehrt. Es sind schon noch dieselben, aber nun tragen sie ihre empfindliche Innenseite zur Welt hin. Alles berührt viel mehr, jedes Tun wird auf seine Nachhaltigkeit hin abgeklopft. Die Welt ist in völlig anderen Farben gemalt. Neee, ich hatte keinen Alkohol im Haus. Ist die Übermüdung. Noch zwanzig Minuten und ich fang‘ mit dem Gedichteschreiben an. Dann lieber zu den Strohrädern ins Bett. Die Grissini sind auch alle.

Gutes Nächtle.

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4 Antworten to “Alone at Home”

  1. ba3by Januar 16, 2013 um 09:38 #

    Kopf hoch!
    Es kommt die Zeit, wo Du Dich über ein Bett gaaaanz für Dich allein freuen kannst.
    Auch ich war/bin süchtig nach anklebenden Gliedmasen, kann mittlerweile den vielen Platz und die Ruhe geniesen.

    • ECObabe Januar 17, 2013 um 20:03 #

      Dein Wort in der Göttin Gehörgang 😉 Aber: Alles hat sein Zeit, so wohl auch diese meine kleine Anhaftung…

  2. steph Januar 18, 2013 um 20:44 #

    ich bin auch alleierziehend, aber so richtig allein alleinerziehend und im moment will ich nix lieber als ne woche für mich. vielleicht würde ich dann auch heulend zu hause liegen…naja, kann ich mir grad nicht vorstellen. das oya-plakat ist toll. vielleicht such ich noch ein rezept raus.

    • ECObabe Januar 19, 2013 um 01:07 #

      Ich glaube, Mutter sein heißt auch: GLEICHZEITIG ne Woche für sich haben wollen & das Sehnen am Herzen reißen spüren…und übern Rezept freue ich mich sehr.

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