Zwischenmahlzeit: Inspiration pur.

5 Sep

…während der Rest meines Hirns sich die Zellen wunddenkt an den bis jetzt tief in mir verknubbelten Tabus, die mein Nachdenken über Sex & Mutterschaft nun ans Tageslicht spült (Bloggen ist halt doch nix anders als Therapie für Therapeutenhasser) gebe ich Euch einen wunderbaren Film mit in den lauen Herbstabend: „Sustainable“.

Ein kurzes Epos mit lauter inspirierenden Menschen, die den überstrapazierten Begriff „ChangeMaker“ mit neuem Leben erfüllen. Alle Hintergrundinfos findet Ihr hier, plus noch einem In-Depth Nachschlag mit Sebastian Copeland und 10 sehr sensibel zusammengestellten Ideen, wie wir die Welt verändern können (und nein, Müll trennen gehört diesmal nicht dazu, schnarch). Ich selbst komme gerade von einem wunderbaren Nachmittag mit dem dazugehörigen Filmemacher Ralf Luethy und der Produzentin Ariane Drumm von Field of View sowie dem live hinzugeschalteten Protagonisten & Supporter Alexander Rossner vom Zukunftswerk (der vierte im Bunde, Stadtimker und Kartoffelkombinat Genossenschaftsmitbegründer Daniel Überall, konnte leider nicht dabei sein): Alles  spannende, zukunftsgewandte Menschen, die diesen Film gemacht haben, weil sie einfach das Gefühl hatten, etwas tun zu müssen mit den Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen. Es ist keine einfache Welt, in die wir die Schnurpse entlassen, aber solange es solche Menschen gibt, bin ich nicht gewillt, die Hoffnung aufzugeben.

Also, Menschen, wenn Euch „Sustainable“ gefällt, dann schickt den Link rum, tweetet ihn, bindet ihn in Eure Blogs ein, zeigt ihn vor dem nächsten Essen Euren Freunden & diskutiert darüber, spielt ihn in der Mittagspause Eurem „Ach komm schon, der Klimawandel ist doch nur so ’ne Hippieerfindung“-Kollegen vor – er hat es verdient (ja, der Kollege auch).

Und nun noch ein paar kleine Schmankelr für alle, die in und um München leben:

Am 07.Oktober ist Erntedankfest im o’pflanzt is! – Garten; es gibt eine Lesung, eine Performance, ein Konzert, es wird geerntet und gekocht, diskutiert & gelustwandelt und sicher sehr schön (bei strömendem Regen fällts allerdings aus). Alle, die nicht wissen, wovon ich rede, schaun einfach mal bei hier vorbei – o’pflanzt is! ist ein Gemeinschaftsgartenprojekt, das ich mit vielen anderen großartigen Menschen gegründet habe.

Am 13.Oktober werde ich zusammen mit dem spannenden Raphael Fellmer den Workshop ResteEssen im Rahmen des Münchner Klimaherbstes veranstalten – alle Infos gibt’s hier, die Einladung liest sich wie folgt:

Europas Essensreste könnten zweimal den Welthunger stillen. Aber wie wird Mensch zum genussreichen ResteEsser? Raphael Fellmer lebt – ohne Geld – seit Jahren mit Familie vom „Lebensmittelretten“. Er erzählt vom Schatzsuchen in Abfallcontainern, von Möglichkeiten, ganz legal Essensreste zu bekommen – und davon, wie jeder seinen ökologischen Fußabdruck verringern kann. Caroline vom Münchner Gemeinschaftsgarten o’pflanzt is! e.V. gibt Tipps, wie Urbane Landwirtschaft & Neue Nachbarschaftlichkeit Mülleimer leeren und Bäuche glücklich machen. Dazu wird die Plattform FoodSharing (foodsharing.de) und das Filmprojekt „Taste the Waste“ des Filmemachers Valentin Thurn vorgestellt.

Mit Raphael und seiner Frau werde ich außerdem ein Interview zu Veganismus & Geldlosigkeit als Familie mit Minischnurps für Blog & Buch machen – ich freu‘ mich schon sehr darauf, da Beides mich außerordentlich umtreibt.

Am Tag drauf, den 14. Oktober, stelle ich ein neues Workshop-Projekt von mir vor: „1 Hektoliter Grün – Urban Agriculture im Miniformat“:

Jeder hat ein Recht auf selbstgezogenes Gemüse! Das spart nicht nur Geld und CO2, es sensibilisiert auch für die geballte Zuwendung und Lebenskraft, die in jedem geernteten Lebensmittel stecken. Unser Workshop für Klein und Groß zeigt ganz praktisch, wie noch in der kleinsten Hütte „1 Hektoliter Grün“ Platz findet: durch Nutzung vertikalen, horizontalen und diagonalen Raums, mit recycelten Materialien, selbstgezogenen Samen und cleveren Permakulturtechniken.

Letzterer allerdings hat nur ein begrenztes Platzkontingent – first come, first serve. Natürlich ist alles wie immer umsonst & for free, Spenden kommen o’pflanzt is!  zugute. Enjoy!

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Gibt ein Sexleben jenseits der Milchstraße? – Teil I

31 Aug

Ich habe gerade unsere zwei WG-Zimmer geputzt.  Erst gesaugt. Dann gewischmoppt. Brav mit Essig im Wasser. Und außerdem noch ein paar übertrieben vielen Tröpfchen dieses sündhaft teuren Zeux:

Ursprünglich mal gekauft für besondere Anlässe. Ihr wißt schon. Jetzt riechts hier wie im Puff, der Schnurps wird wahrscheinlich nachher den Eintritt verweigern & das Vatertier sich besicken (immer für eine taktvollen Geste zu haben, der Gute), aber diese drei Stunden inmitten Schwaden erotisch-sinnlichen (sacht jedenfalls das Packaging) Wohlgeruchs auf sauberem Parkett, die sinds mir wert.

Meine Toleranzgrenze für schnüffelige, schmierige, gelbliche Flüssigkeiten, gleichmäßig verteilt auf Möbeln, Boden, meiner Kleidung und in meinen Haaren (fragt nicht), ist extrem hoch. Herrgöttinnensakra, ich hab‘ ein windelfreies Kind, das in eine neue Phase eingetreten ist. Die „Ich will nicht mehr abgehalten werden, ich kann das alleine“ – Phase. Keinesfalls zu verwechseln mit der „Ich weiß, wo der Hoppopp (=das Töpfchen) steht und laufe rechtzeitig hin, wenn ich muss.“ Stattdessen sieht meine APvangardistische Lebenswirklichkeit so aus: Der Schnurps hat sich eine Pinkelecke auserkoren. Und zwar diese hier:

Direktemang neben meinem Schreibtisch. Meinem Arbeitsplatz. Dem Hauptwohnsitz meiner eh schon mimosenhaften Muse. Dorthin läuft Schnurps beim ersten Zwicken der Blase, setzt sich in den Halblotussitz (nagut, auf jeden Fall sind die Beine angewinkelt), greift sich liebevoll seinen Schniepel und beobachtet dann fasziniert das Austreten seines unter normalen Umständen bemerkenswert geruchslosen Urins. Nach vollendeter Tat fängt er an, aufgeregte Krählaute von sich zu geben & wild auf die Pfütze zu deuten, bis jemand (also: ICH) mit einem Tuch kommt und Boden sowie Füßchen trocken wischt. Dann steht er erhaben auf, grinst selbstzufrieden und trollt sich. I kid you not.Und ich denke natürlich, dass ich das lustigste & ingeniöseste Kind der Welt habe.

Bis heute morgen. Ich weiß nicht, was er gestern zu sich genommen hat (und, ganz ehrlich, ich wills auch nicht wissen), aber sein Pipi riecht wie Pantherpisse. Ein jede Ritze meines atmenden Seins & der Wohnung durchdringender Geruch. Und während ich so hinter ihm herwische, denke ich auf einmal – ich kann einfach keine Flüssigkeiten mehr sehen. Keine Urinpfützen. Kein vom Schnurps in der Wohnung verteiltes Hundetrinkwasser. Keine umgeschütteter Orangensaft. Ich will omnipräsente, trockene Sauberkeit. Wohlgerüche. Ich will ein Sex & The City-Weibchen sein, dass zehn Jahre jüngere Männer (oder Frauen) mit nach Hause bringen kann, deren erster Eindruck ist – Ui, hier riechts aber lecker – und nicht „Haste mal ’ne Wäscheklammer?“.

Ich weiß, es wird gleich vorbei gehen. Ich weiß, ich liebe die Freiheiten, die der Schnurps und ich leben, das Rumsauen beim Essen, das Scheiss-auf-die-Konsequenzen-durch-die-Gegend-tollen, seinen weichen, immer atmen könnenden Po, die Freude, mit der er seinen Körper zelebriert. Aber jetzt gerade, heute, in diesem Moment, will ich einfach mal wieder Frau sein. Und deshalb sitze ich hier, inmitten von Moschus & Amber, und genieße den Moment. Bei einem Tee. Nämlich  Buddha Belly (Katalog letzte Seite) meine momentane Lieblingskräutermischung aus dem wunderbaren Tushita Teehaus (Schwarze Malvenblüten, Melisse, Ingwer & Angelikawurzel – die Natur meint es schon gut mit uns).

Das wahre Problem liegt natürlich woanders. Es liegt in der Tatsache, dass ich überhaupt willens bin, meine olifaktorischen Aphrodisiaka in Putzwasser zu verschwenden. Aber ich bin nicht allein damit. Nun, wo ich aufs Ernsthafteste meine Buchrecherche begonnen habe, die zu einem großen Teil aus Meine-neugierige-Nase-in-die Mütterbefindlichkeiten-anderer-Frauen-stecken besteht, haben sich mir nochmal neue Erfahrungswelten aufgemacht.  Um in diesem speziellen Fall zu illustrieren, was ich meine, habe ich mal einen kleinen Test zusammengestellt. Vielleicht mögt Ihr mir ja folgen in die Untiefen meiner Feldforschung … aber Achtung, es wird ein bißchen feucht(fröhlich) – war ja aber wahrscheinlich klar, denn wo ich bin, da ist: Feuchtigkeit (siehe oben).

Also, ich werf Euch einfach mal rein:

  1. Ist die einzige Substanz in Eurem Haushalt, deren Konsistenz Gleitcreme auch nur entfernt ähnelt, Stadelmeiersche Windelsalbe?
  2. Spielt Euer Schnurps häufiger mit Eurem Schamhaar als sonst wer? (Uuuuhhhh, Tabubruch? Selbstverständlich zuzulassene Neugier oder inzestiöse Früherfahrung? Wie seht Ihr das?) Oder steht es sowieso schon unter Urwaldschutz?
  3. Habt Ihr es aufgegeben, Euch um den optischen/haptischen Zustand Eurer Nippel zu kümmern, weil sie ja eh keiner sieht/abschlabbert außer dem Schnurps?
  4. Ist Euer Liebster ins Wohnzimmer gezogen – NATÜRLICH nur als Ergebnis eines liebevollen Dialoges ob der arbeitsbedingten Praktikabilität dieses Arrangements – ohne dass Ihr sein neues Bett als Liebesnest nutzt?
  5. Ist das einzige Wesen, was im Haushalt Massagen abkassiert, der Schnurps?
  6. Betrachtet Ihr liebevoll die Knutschflecken an Eurem Hals, Resultat eines kleinen, bissigen Missgeschicks während des Tragetuchanlegens, weil die Welt so immer hin denken könnte, Ihr hättet ein Liebesleben?
  7. Habt Ihr mit Eurem Liebsten jemals über die Möglichkeit gesprochen, dass auch eine stillende Brust erotischer Zuwendung bedarf (jawohl, von einem ERWACHSENEN) oder ist Euch der Gedanke selbst zu schräg?

Ich könnte noch stundenlang weiter machen. All dies sind gedachte Gedanken & wirkliche Zustände, manche von mir, manche von anderen, die meisten von mir & von anderen.  Ich denke dieser Tage viel über Sex nach. Sex & Langzeitstillen. Sex & Attachment Parenting. Sex & Alleinerziehen. Weil es ein wichtiges Thema ist. (Warum es ein wichtiges Thema ist, darüber mehr in Teil II dieses Posts. ) Weil ich keinen habe, verdammtnochmal. Nicht, dass es garkeine Möglichkeit dazu gäbe. Aber die Parameter haben sich verschoben. Und ich leide. An meinen eigenen Ansprüchen.  Und ganz viele Frauen, die einen Partner haben, leiden auch. Das weiß ich jetzt, aber da spricht keiner mit Dir drüber. Und deshalb will ich da unbedingt mal drüber sprechen. Nur dass ich jetzt auch noch ein bisschen Geld verdienen muss, in denen Zweieinhalbstunden Bordellatmo, die mir noch bleiben. Also, Ihr seid gewarnt ob des Kommenden.

Im übernächsten Post gibts dann wieder Muffinrezepte – ich habe ZwetschgenMuffatschis erfunden & die genialste vegane Cupcakecreme aller Zeiten gemacht. Wer also keinen Bock auf das schlüpfrige Zeux hat, der weiß jetzt, wann sie_er wiederkommen kann 😉

Gerade kämpfe ich ein bisschen mit mir.

26 Aug

Abgesehen davon, dass bis morgen acht Uhr die Frühstücksbrötchen in Form eines länglichen Textes über Stammdatenmanagement geschrieben sein wollen (allein erziehende Mütter stellen definitiv weniger Fragen, wenns ums Geld verdienen geht), bin ich dieser letzten Tage generell ein wenig uneins mit mir & meiner Radikalität. Beziehungsweise ihrem Nichtvorhandensein.

Ich habe ein paar Artikel in der Pipeline, um genau zu sein, fünf Stück: Übers Selber-Abstillen und andere Identitätskrisen, Langzeitstillen & Sex, Dem Schnurpschen Fluss der Dinge, Mutterspezifischer Kreativität & meiner neuen, bahnbrechenden Erfindung, dem N20M (CLIFFHANGER, or what????), aber frage mich während des Schreibens die ganze Zeit abwechselnd, ob ich weit genug gehe oder schon viel zu weit.

Das Ergebnis ist folgerichtig unzumutbar, denn, wie jeder weiß, ist es absolut tödlich, während des kreativen Prozesses die kritische & die intuitive Phase  durcheinanderzuwurschteln und den inneren Zensor schon aus der Schreibstube zu lassen, wenn das Kind noch spielen will.

Deshalb vertage ich das Weiterschreiben und verweise für heute an einen Mann, der sich die Frage nach dem „Wie radikal will ich leben“ schon beantwortet hat.

Ich frag‘ mich bei solchen Biopics dann immer: Würde ich dem Schnurps dieses Leben wünschen? Sollen wir jetzt sofort auf Land gehen, das Paradigma, das ich noch von innen aufzubrechen versuche, verlassen und uns ein Arkadien bauen, in dem wir nachts beim Mondschein Kräuter pflanzen? Oder soll ich ihm lieber eine Grubenleuchte zum 2. Geburtstag schenken, damit Containern früh zu etwas abenteurlich-selbstverständlichem für ihn wird?

Und kenne die Antwort nicht. Wie so oft 😉

Aber unser Leben hat der Film dennoch jetzt schon verändert:  Weil er wiedermal bestätigt, dass Schnurpse intuitiv immer alles richtig machen. Teller ablecken, zum Beispiel. Wie geil ist denn bitte dieses ErstAbleckenZumFettablösenDannNurNochInDieMolkelaugeRein? Ich wusste doch, dass das Sinn macht – ist ja auch viel zu spassig, um nicht noch einen tieferen Zweck zu haben, das GeschirrAbgeschlabbere. Nur die Molke ist leider so unvegan. Damn it. Deshab machen wir das bei uns jetzt so: Erst ablecken, dann mit paar Essig abwaschen. GEHT SUPER!!!!!! Probiert das mal aus. Und der Schnurps lacht sich jedesmal scheckig, wenn uns die Soße vom Kinn trieft. Wieviel besser kanns denn werden – Kind erheitert & Planet glücklich.

P.S. Wisst Ihr, was mir an Gottfried noch sehr gefällt? Seine Denkpausen vor jeder Antwort. Das sich-Zeit-nehmen für die Frage. Und die mich fast immer überraschenden, sehr, sehr klaren Antworten.

Welcome to the Dark Side aka GermanSpielplatzAngst (& BlaubeerVanilleBananen – Muffins)

21 Aug

Ein paar von Euch haben sich gewundert, dass der Schnurps noch per Marsupi durch die Gegend gewuselt wird. Und ich habe mich gewundert, dass es da was zu wundern gibt, weil es mir & dem Vatertier so himmlisch bequem vorkommt. Um das Ganze ausreichend zu abstrahieren, hab‘ ich Mr. Schnurps und seinen Chauffeur eben abgelichtet.

Sieht das nach Kinderquälerei aus? Seid ehrlich! Gesponsort bin ich natürlich weder von dieser Firma noch einer anderen; wie 99% meines Interieurs ist auch dieses Teil zweiter Hand in unser Leben getreten.

Ansonsten wollte ich ja heute eigentlich übers Abstillen schreiben. Aber dann sind da zwei Dinge passiert, die erstmal aus mir raus müssen – abgesehen von meinem neuen Muffin Rezept, das ganz fluffichpazifistisch weiter unten um die Ecke kommt.

Erstes Ding: Ich bin ja nun schnurpsaltersbedingt staunend-teilnehmender Nutznießer eines völlig neuen Soziotops, dessen subtile Verhaltensregeln sich mir auf das uneinholbarste entziehen und abhängig von meiner eigenen Tagesverfassung abwechselnd zu Galgenhumor und finstersten Mordgelüsten brennender Sorge führen. Mit anderen Worten: Wir besuchen Spielplätze. Okay, DAS hatte ich mir ein Eckchen, hm,  idyllischer?? vorgestellt. Ich habe gerade begonnen, einen Spielplatzknigge zu schreiben, um zumindest einem Teil meiner Fassunglosigkeit Herr Dame zu werden. (Da fragt Ihr Euch doch sicher, ob diesem Projekt das gleiche traurige Schicksal der Endlosigkeit beschieden ist wie der alternativen Erstaustattungsliste, hm? Keine Sorge, auch an dieser sitze ich wieder. )

Also, an anderer Stelle die gesammelten Monströseligkeiten unserer Spielplatzerfahrung. Heute nur soviel. Ich habe jetzt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen

1. eine halbe  Stunde damit verbracht, den Schnurps vor einem frühzeitigen Ableben durch wilde Hiebe mit scharfkantigen Schaufeln zu bewahren, verursacht durch seinen naiven Wunsch, bei einem schon im Gange seienden Sandburgbauprojekt mitzumachen. Das faszinierende daran: Sobald ich meine Wut über diese Minimonster überwinde, in ihrem Verhalten eine irgendwie geartete Imitation ihrer Eltern sehe, mein Herz in Liebe öffne und mit ihnen ZU REDEN beginne, verwandeln sie sich innerhalb von Minuten in kooperative, einfallsreiche Spielgefährten, die wieder Zugang zu ihrem eigeborenen, sozialen Selbst haben.  Ich habe aber tatsächlich beobachtet, dass es länger dauert und schwieriger wird, zu ihnen durchzukommen, je älter sie werden.

Und ich rede hier nicht von den entwicklungspsychologisch  notwendigen Phasen der „Ich-Entdeckung“, mit der Grenzziehungen zum eigenen Raum und Eigentum einher gehen. Ich rede davon, sich schnell und ohne Warnung physischer Gewalt zu bedienen, unter Inkaufnahme einer Verletzung des anderen, um einen Raum zu verteidigen, der eigentlich allen gehört.  Das ist krank. Und ja, widersprecht mir. Ich habe lang über die  „Sie wissens nicht besser“ – Möglichkeit nachgedacht. Es stimmt, das tun sie wirklich nicht.  Und sie können tatsächlich nichts dafür – sie kooperieren bloss mit dem zwanghaften Eigentumsverteidigungsmodell ihrer Eltern.  Welches völlig verblindet ist – denn wenn diese Schnurpse groß sind, wird die Ressourcenverknappung nur noch demjenigen einen darwinistischen Vorteil einräumen, der zu teilen gelernt hat. „Access“ (Zugang) wird das Schlüsselwort sein, nicht mehr „Ownership“ (Besitz). Wie schrecklich, dass nicht einmal Mütter das begriffen haben. Schätze, der Leidensdruck ist immer noch nicht hoch genug. Tut Euren Kindern den Gefallen UND BRINGT IHNEN TEILEN BEI!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Sie werden es bitter, bitter nötig haben.

2. den nettesten, herzensbesten kleinen Jungen kennengelernt, der mir je begegnet ist. Er hat dem Schnurps mit seiner Trinkflasche gefüttert, ihn abgebusselt, als er hingefallen ist, für ihn Seifenblasen gepustet und alles, aber auch alles mit ihm geteilt. Und wo kam er her? Aus Bulgarien. Ich sag’s jetzt einfach so, wie es ist. Wenn ich aufn Spielplatz gehe, schaue ich mich erstmal nach den ausländischst aussehenden Kindern um, die da sind, und in deren Nähe setze ich dann den Schnurps (der ja selbst zu einem Viertel Ägypter ist). Weil sie nicht so verbiestert aussehen. Weil ihre Eltern zusammensitzen, selbst wenn sie einander nicht kennen, statt sich von Kopf bis Fuß zu mustern. Weil die Kinder tatsächlich aufeinander zugehen, statt sich an ihr Spielzeug zu klammern und papageienartig „meins“ zu plärren. Und noch aus hundert anderen Gründen. Ja, dass ist invertierter Rassismus. Ja, ich weiß, dass das keine allgemeingültige Regel ist. Aber ich für meinen Teil fahre gut damit, mich von der German Angst nicht auch noch auf den Spielplatz verfolgen zu lassen.

Zweites Ding:  Gestern habe ich erfahren, dass die elterninitiierte Kita einer Freundin nicht zustande kommt, weil die Eltern sich nicht über den Umgang mit körperlicher Züchtigung einig werden konnten. Sie hatte klargestellt, dass sie ihrem Kind unter keinen Umständen eine runterhauen würde, eingedenk der Tatsache, dass sie ihren Mann ja auch nicht schlägt und der schon groß ist, woraufhin ihr mitgeteilt wurde, dass das eine arrogante Haltung sei, denn diese Dinge kämen nun mal vor und wären unter verzeihlichem menschlichen Versagen einzuordnen und sie solle nicht päpstlicher sein als der Papst. Schock. Also ist es im 21. Jahrhundert mitten in Deutschland offensichtlich ein Zeichen fortschrittlichen Denkens, wenn die körperliche Züchtigung zwar per se für nicht gut befunden, gelegentliche Ausrutscher aber mit gegenseitigem InDenArmGenehme als Kollateralschaden der ja nervlich so belastenden Kindererziehung betrachtet wird.  Denen haben sie doch in den Kopf defäkiert. ES GIBT KEINEN GRUND AUF DER WELT, DER DAS SCHLAGEN EINES KINDES RECHTFERTIGT. Und es ist durchaus möglich, sich nicht dazu hinreissen zu lassen, thank you very much.

Nach diesen Erlebnissen der unmenschlichen Art brauchte ich was Süsses. Pronto.  Und habe zwei neue, vegane Muffinrezepte kreiiert. Eins kommt jetzt. Das andere irgendwann diese Woche. Enjoy.

BlaubeerVanilleBananenMuffins

(Jaja, irgendwann werde ich mal ausrechnen, welchen CO2-Abdruck meine Rezepte hinterlassen – im Moment ist meine Faustregel: Mindestens 2/3 des Rezeptes müssen regional und saisonal sein. Bleiben Zimt, Vanille, Bananen. Aber ich bin eben keine Heilige. Und wenn, dann die Heilige der sporadisch Sündigenden. Muss es doch auch geben oda?)

100g Margarine

150 g Rohrzucker

1 Pck. Vanillezucker

2 kleinere Bananen

250 ml Vanillesojamilch

300 g Mehl

1 Pk Weinstein Backpulver

200 g Heidelbeeren

1 TL Zimt

So wirds gemacht:

Margarine mit Zucker und Vanillezucker schaumig rühren. Die Bananen in der Vanillesojamilch zu Mus zerdrücken und mit dem Schneebesen verquirlen. Diese Pampe nach und nach unter die Zuckermasse rühren.  Mehl und Backpulver vermengen und löffelweise unter den Teig heben. Frische Blaubeeren waschen & abtropfen lassen, Gefrorene auftauen lassen und in Mehl wenden. Blaubeeren behutsam unter den Teig heben.  Je 2 1/2 El des Teiges in die mit Papierförmchen ausgelegten Vertiefungen des Muffinblechs füllen. Der Teig kann ruhig ein wenig überstehen, um hinterher schön kurvig rauszuquellen.  Rohrohrzucker mit etwas Zimt vermischen und über den Teig sprenkeln. Bei 175 °C ca. 35 min backen.

Alles wird gut.

Das neue ELTERN-Heft. Grrrumpfkicher.

16 Aug

Also, altmodischerweise frequentiere ich ja verschiedene Printmedien.

Manche (wenige) aus Überzeugung. Die Oya zum Beispiel. Wer sie noch nicht kennt: Probeheft anfordern.  Da mach ich schamlos Werbung für, so mutig und vorwärtsdenkend finde ich dieses Magazinprojekt (Mensch möge sich allein mal die Bücher anschauen, die es als Aboprämien gibt, die sprechen für sich). Oder die Junge Welt. Die deutsche Monde Diplomatique.

Andere, um einen ausgewogenen Eindruck von der aktuellen Informations/Demogogie – Lage zu bekommen, aufgrund derer Deutschland wählt. Also die BILD, auch wenns schmerzt. Den Spiegel, zum Glück umsonst inner Bibliothek.

Zwei, weil sie sich Auslandskorrespondenten leisten und Geld für vernünftige Recherche ausgeben, auch wenn ihre Grundhaltung mir zuwider ist. Die FAZ und die Süddeutsche.

Und dann die, bei denen ich mal einen Gang runterschalten und mir Infotainment geben will, bei einem schaumierten Landkaffee aufm Balkon. Da greife ich dann zu sowas wie ELTERN. (An dieser Stelle lasse ich es mir nicht nehmen, Brigitte MUM in die Tonne zu treten. Was für ein Haufen gequirlter Überflüssigkeit. Die armen Bäumlis.) So geschehen am gestrigen Tage: Die September-Ausgabe, welche so ausschaut:

Nun weiß ja jeder denkende Mensch, dass zumindest das Onlineangebot eltern.de seine redaktionelle Freiheit industriefinanzierten Promotionartikeln opfert. Ich meinerseits habe es grundsätzlich drangegeben, mich über das opportunistische Werberahmenprogramm aufzuregen, das sich heutzutage Onlinejournalismus nennt. Ich schreib‘, rede und lächle halt dagegen an.

Nur in wenigen Fällen werd‘ ich noch wütend. Heute war so ein Fall. Auf Seite 100 besagten Heftes nämlich. Da schreibt Xenia Frenkel über den inzwischen in aller Munde seienden TIME-Coverartikel „Are you Mom enough?“ .

Ehrlich, ich finde an dem Coverfoto das Bedenklichste die Army-Hosen. Warum ich einem Dreijährigen Hosen mit einem Muster anziehen sollte, das zu dem alleinigen Zweck erfunden wurde, 19-Jährige dazu zu befähigen, ausm Busch raus andere 19-jährige hinterhältig abzuknallen, ohne dabei selbst drauf zu gehen, nur um den Rest des Lebens mit dem zwangsläufig resultierenden Trauma rumzulaufen, ist mir ein besonders großes Rätsel.

Angekündigt wird das Ganze in der ELTERNlichen Highlightsektion vorne mit „Kritisch…sehen wir „Attachment Parenting“, einen Trend aus den USA.“ Trend? TREND????? Wie lange muss denn eine Sache bitte praktiziert werden, bevor ELTERN sie einen Trend nennt? 100 Jahre?

Aber statt nun die ongoing discussion zu nutzen, ein ausführliches, abwägendes, neutrales, vielstimmiges Porträt von Attachment Parenting zu liefern und damit einhergehend vielleicht Julia Dibberns umwerfendes Buch „Geborgene Babies“ (übrigens auch als Aboprämie bei der Oya zu haben, grins) als alternative Ausprägung vorzustellen plus schönem Interview mit der Autorin o.ä. (ich kenne Julia nicht persönlich, aber ich halte ihr Buch für radikal unterrepräsentiert in der Mainstream-Babyliteratur. Sowas gehört JEDER Mutter direkt nach dem Werfen neben den verschmierten Schnurps in die zitternden Pfoten gelegt) – statt also diese Chance zu ergreifen, ergießt sich ELTERN in eine bedrohlich mittelalterlich klingende Schmährede gegen…ja, gegen was eigentlich? Ein Phantom.

Denn tatsächlich gehts in dem ganzen Artikel mit keinem Wort um Attachment Parenting, sondern lediglich ums Langzeitstillen.  In dessen Kontext AP-Erfinder Dr. Bill Sears zum „Stillfanatiker“ erklärt wird, dessen Botschaft lautet

„Wer nicht stillt, bis der Schulbus kommt, ist keine richtige Mutter, sondern ein egoistisches Biest…“

Ich unterschreibe nicht alles, was Dr. Sears je von sich gegeben hat. Ich unterstütze die sieben  Attachment Parenting Bs, aber habe mir zu der sie umgebenden AP-Welt eine kritische Grundhaltung bewahrt. Nirgendwo allerdings wird sich eine Textstelle bei Sears finden lassen, die ein Werturteil über nicht langzeitstillende Mütter darstellt. Tatsächlich sagen Sears und seine Frau hierzu das, was ich Euch in einem längeren Zitat weiter unten mitgebe.  (Und hier ein Artikel für alle, die interessiert, wie er selbst das TIME Cover kommentiert. Verzeiht die Englischlastigkeit dieses Beitrags.)

Und da war ich mal einen kurzen Moment lang stinkesauer über den  miesen, schlecht recherchierten, kleinherzigen, unintelligenten Journalismus, der wiedermal eine Möglichkeit zunichte gemacht hat, AP in einem Mainstreamkanal balanciert und ausgewogen darzustellen.  Ich werde dann so furienzornig, mit hässlicher Steilfalte, eingekniffenen Mundwinkeln und FeuerDerRechtschaffenheitInDerBrustLodrig, wie ich es bei anderen Gutmenschen hasse (soooo unerotisch). Brrrr, schüttel. Und doch, so eine Wut muss entstehen können. Sonst wäre ich abgestumpft und fatalistisch.

Aber dann kamen Das Kichern, Die Gerechtigkeit, Das Karma und das große ÄTSCH gleich hinterhergehüpft. Nämlich auf Seite 149. Wo ELTERN auf die Artikel der eigenen Vergangenheit zurückblickt. Hier im Speziellen auf Einen von 1971 übers Co-Sleeping. Von dem dort RIGEROS und in jeder Form (auch dem Zum-Kuscheln-ins-Bett-Schlüpfen) abgeraten wird. Umrahmt von so sensiblen Tipps zur Umsetzung wie

„Machen Sie es ihrem Kind unbequem. Vaters liebevoller, aber doch sehr schwerer Arm quer über dem Bauch oder ein Knie im Rücken – das nimmt den Kleinen jeden Spaß am Eltern-Bett.“

Schau mal eine an: Da haben die ELTERNs doch nur schlappe 41 Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass Vaters Arm zur Stütze des Tragetuchs vielleicht doch besser geeignet ist als als nächtliches Meuchelwerkzeug in der Kehle des dreijährigen Sohnes.  Das gibt doch Anlass zur Hoffnung auf generelle Lernfähigkeit. Dann warten wir jetzt einfach mal geduldig auf den September 2053, in welchem  wahrscheinlich auch ELTERN reumütig die Tatsache einräumen wird, dass Langzeitstillen nicht das Ende der westlichen Zivilisation bedeutet hat.

Nun fragt Ihr Euch wahrscheinlich: Das war ja jetzt alles jut&schön zu lesen, aber warum nimmt sie sich die Zeit für diesen Verriß, wenn es doch gelbe Tigertomaten zu pflücken und mit Schnurpsen durch sonnengetränkte Wiesen zu hüpfen gilt?

1. Weil ich irrationalerweise hoffe, Google-Crawler sind schlau genug, ELTERN-Leserinnen auf der Suche nach dem Septemberheft erst hier vorbei zu schicken. (Höhere Gerechtigkeit 2.0)

1. Weil ich nach vielen Monaten, in denen es einfach Teil meines Alltags war, mal wieder viel übers Stillen nachdenke. Denn der Schnurps stillt sich gerade ab. Kurz vor dem Anderhalbjährigen. Und das sowohl eine Mega-Lektion in Zen-Buddhismus als auch ein komplexer Schritt für mich ist, über den ich viel nachdenke und fühle. Aber dazu…nächstes Mal mehr 🙂

Jetzt nochmal für alle eine Einleitung in die FLEXIBILITÄT von AP. Und das, worum es dabei wirklich geht. Als Video oder Text (wenn es wem wirklich wichtig ist, übersetze ich den Text. Dafür schreibt mir bitte einen Kommentar).

  • AP is a starter style. There may be medical or family circumstances why you are unable to practice all of these baby B’s. Attachment parenting implies first opening your mind and heart to the individual needs of your baby, and eventually you will develop the wisdom on how to make on-the-spot decisions on what works best for both you and your baby. Do the best you can with the resources you have – that’s all your child will ever expect of you. These baby B’s help parents and baby get off to the right start. Use these as starter tips to work out your own parenting style – one that fits the individual needs of your child and your family. Attachment parenting helps you develop your own personal parenting style.
  • AP is an approach, rather than a strict set of rules. It’s actually the style that many parents use instinctively. Parenting is too individual and baby too complex for there to be only one way. The important point is to get connected to your baby, and the baby B’s of attachment parenting help. Once connected, stick with what is working and modify what is not. You will ultimately develop your own parenting style that helps parent and baby find a way to fit – the little word that so economically describes the relationship between parent and baby.
  • AP is responsive parenting. By becoming sensitive to the cues of your infant, you learn to read your baby’s level of need. Because baby trusts that his needs will be met and his language listened to, the infant trusts in his ability to give cues. As a result, baby becomes a better cue-giver, parents become better cue-readers, and the whole parent-child communication network becomes easier.
  • AP is a tool. Tools are things you use to complete a job. The better the tools, the easier and the better you can do the job. Notice we use the term „tools“ rather than „steps.“ With tools you can pick and choose which of those fit your personal parent-child relationship. Steps imply that you have to use all the steps to get the job done. Think of attachment parenting as connecting tools, interactions with your infant that help you and your child get connected. Once connected, the whole parent-child relationship (discipline, healthcare, and plain old having fun with your child) becomes more natural and enjoyable.

Ich war Feigensenf holen.

14 Aug

Echt jetzt. Bin nun wieder da. Und erschaffe erstmal den absoluten Blog-Albtraum:

Ein Beitrag ohne Bilder. Dafür mit massich Buchstaben. Wer keinen Bock drauf hat, muss ja nicht. Als nächstes gibts dann auch wieder schön was auf die Augen, z.B. meine gesammelten veganen Experimente der letzten Monate – und das, meine Freunde, sind raue Mengen.

Also: Viel ist passiert. Der Schnurps ist 17 Monate alt, saust rum wie ein solarbetriebenes Karnickel & ist quietschfidel. Keine Krankheiten, immer noch ungeimpft, 85% vegan ernährt, windelbefreit, co-schlafend, marsupi&fahrradsitzbefördert (wenn nicht solarbetrieben durch die Gegend…etc.). Er sagt: Mama. Was mich, ich schwöre es, immer noch jedes Mal krokodilstränignah und weichknieig macht. Ich liebe dieses Kind.

Sein wirklich wundervoller Vater & meinereins haben es mirkulöserweise geschafft, eine Familie zu bleiben, ohne ein Paar zu sein. We may not be in love with each other, but we are in love with the same Person (wie das vor sich gegegangen ist und wie wir uns durch die Wut&Trauer hindurchgewuselt haben, dazu an anderer Stelle mehr). Auch ich bin wieder zu 85% vegan. Was echt gut tut.  Habe mein Buchprojekt auf seinen steinigen Weg geschickt (keine Sorge, ich spame Euch noch mit Werbung zu, bis Ihr mich verdammt, aber alles zu seiner Zeit ;). Habe unseren Gemeinschaftsgarten durch die Aussaat & erste Ernte begleitet und dabei unfassbar viel über Gemeinschaftsprozesse & die Natur gelernt. Habe begonnen, wieder mehr Rezepte zu erfinden & zu kochen (siehe oben), mit dem Schnurps an meiner Seite auf dem Küchentisch thronend. Habe an einem Genossenschaftsprojekt mitgebastelt. Habe mich mit Wohngemeinschaften beschäftigt, aber noch keine BauchgefühligFürUnsRichtige gefunden.  Und habe über das ECObabe nachgedacht. Was es eigentlich ist.

‚Cause one thing is for sure: Der Schnurps ist kein Ecobabe mehr. Sondern ein EcoToddler. Also wird das hier jetzt wohl offiziös ein Kleinkindblog. Ist doch auch nett.

Dafür ist mir etwas anderes besonders klar geworden. In dem Kindersozialisationsgewusele, an welchem ich mit dem Schnurps tagtäglich teilnehme (da er ja noch nich inner KITA ist, renne ich von Kindergruppe zu Kindergruppe, damit das bemitleidenswerte Einzelkind auch ja SOZIAL wird. Ein Fetisch, schon klar, aber ich kann nicht anders, ich war einfach selbst zu allein) plötzlich Fleisch&Körper Mütter treffe, die wunderbar, toll & liebevoll sind und niemals jemand gehabt haben, der ihnen gesagt hat, dass man die Plazenta nicht abschnippeln muss, Impfen keine Pflichtveranstaltung ist, Menschinnen in Geburtshäusern nicht reihenweise krepieren, Kinder schlafen können, weshalb sie es auch nicht lernen müssen, das Wochenbett auch mit veganen Suppen überlebt werden kann…und dergleichen mehr. Und nun sind sie vorbei, diese ersten, magischen 21 Monate, und wenn ich ihnen erzähle, wie sie hätten sein können, sind sie ein bisschen traurig. Oder entgeistert. Oder Beides.

Weshalb ich mich echt zurückhalte mit dem Erzählen, es sei denn, ein weiterer Familiezuwachs ist geplant. In einem solchen Fall würde ich denen gerne sowas wie einen alternativen Reiseführer zu Schwangerschaft, Geburt und 1. Jahr in die Hand drücken können, in dem alle kontramainstreamigen, nachhaltigen, spirituell sinnigen, naturgemäßen, furchtlosen, zukunftsgewandten etc. pp. Praktiken drin zu finden ist, die mich inspiriert und begleitet haben in den ersten 21 Monaten mit dem Schnurps & ihn zu einem glücklichen, gesunden Kind mit einem vertretbaren ökologischen Fußabdruck gemacht haben, mit ausführlichsten Literaturangaben und Adressenverzeichnis, mit einer schönen, konstant akutualisierten Linkdatei im Netz, mit vielen Bildern, zum sich aufs Sofa knallen und festlesen.

Gibt’s aber nicht, so’n Buch. Oder ich habs nicht gefunden, trotz Suuuuuuuuuuuuuuuchens. Falls Letzteres der Fall ist, sagt mir UNBEDINGT Bescheid. Gab nur ganz viele Bücher, ein Jedes zu einem anderen Thema. Deshalb habe ich nach viel Rumgewälze beschlossen, selbst eins zu schreiben. Das Ecobabe-Buch.

Ich hege eine wirklich seeeeehr tiefe Abneigung gegen jedes Prophetentum. Es ist neben seinem imperialistischen Gehabe auch noch so verdammt unsexy. Missionare gehören in Melasse getränkt und vor Ameisenhaufen geklebt. Deshalb habe ich mir diesen Buchschreibegedanken bei seinem Auftauchen direkt wieder verboten, bis mir aufgegangen ist, dass der Blog genau dasselbe tut, nur auf seine virtuelle Art irgendwie sweet genug rüberkommt, um nicht zeigefingerwedelnd zu sein. Also hab‘ ich mich des nächtens mit noch mehr Schnurpsaufklärungsbüchern als zuvor schon verlustiert (yup, es ist kein neuer Mann in meinem Leben – aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Nacht) und nun ist der Moment gekommen, wo ich das Gefühl habe, ich hätte vielleicht, ganz vielleicht, einen ausreichenden Überblick, um mich ans Werk zu machen.

Was mich zu einem monumentalen Riesenproblem bringt. Gleichzeitig habe ich mich nämlich ebenfalls noch intensiver als zuvor mit der Idee der Commons, Allgemeingüter, dem Tauschen, der Schenkökonomie beschäftigt. Und schreie die ganze Zeit, YippiehYeah, genauso soll es sein!!!! Geld ist so scheißestinklangweilig, je weniger ich davon sehen muss, desto besser bin ich gelaunt. Auffer einen Seite.  Auffer anderen steht der Schnurps und will studieren. Oder um die Welt fahren. Oder braucht irgend ne abgefahrene OP, die seine abgebrannte Mutter nicht bezahlen kann und der Chirurg iss weniger an Tauschgeschäften (Na, einmal Blinddarm raus gegen 435 Cupcakes, ham wa ’n Deal, oda was???) interessiert als ich. Da kann ich wohl kaum auf einen Staat verweisen, an den ich nicht glaube, und der außerdem eh blank sein wird, wenns soweit ist.  Zusammenfassend: Ich bin immer noch nicht ganz soweit, dass ich die letzten Leftovers meiner existenziellen Angst zugunsten totalen Open Sources (einschließlich Kühlschrankinhalt) hinter mir lassen könnte. Erbärmlich, aber wahr.

Also, mein Ideal wäre: Buch schreiben, als schön designes PDF auf diese Seite zum Download stellen, büschen Online-Marketing lostreten, auf die virale Flut warten und alles sind glücklich. Aber dann ist da die Versuchung des Publizierens. (Was eben nicht umsonst das Wörtchen „zieren“ verschlungen hat – ich ziere mich vor dem Loslassen.) Versuchung weil Geld. Rest siehe oben. Und jetzt suche ich nach Lösungen. Bis jetzt bin ich auf diese hier gekommen:

  1. „Wat solls“  jubilieren, mich selbst in den kapitalverhafteten Hintern treten und alles für umsonst hier reinklotzen.
  2. Eine Kurzfassung for free und eine schön gemachte Langfassung für die Betuchten (teuer wirds eh nicht).
  3. PDF-Download gegen Spende, wer kann und wer nicht, dem vergelt’s die Göttin.
  4. Selbstverlag aufmachen, einen winziglichen Preis ansetzen und herschenken, wenn eine_r es nicht zahlen kann.
  5. Mit vom Verlag genügend Exemplare schenken lassen um sie dahin weiter zu verschenken, wo keene Kohle ist.

Was sagt Ihr? Her mit den Ideen. Her mit der herben Kritik. Ich bin sehr gespannt.

1. Die Wickelkommode. Versteh ich nicht.

13 Feb

Eigentlich sollte zu jeder Wickelkommode gleich ein Fallschirm mitgeliefert werden. Oder, anders gesagt: Hätten wir fliegen können sollen, kämen die Schnurpse mit ein paar Flügen dran ausser Gebärmutter geschlüpft. Kommen sie aber nicht.

Weshalb das Muttertier mit einer Hand den vergnügt vor sich hin strampelnden Schnurps zu fixieren sucht – welcher im ihm angeborenen  Urvertrauen in die Weisheit seiner MIP (most important person) natürlich nicht im Traum darauf kommt, dass er zu beiden Seiten nur etwa 40 cm von blauen Flecken, Gehirnerschütterung und lebenslang verbleibender Angst vor dem Fallen entfernt ist – während sie mit der anderen hektisch den Wickelvorgang beschleunigt. Der einschließlich der damit einhergehenden Pflege eigentlich ein laaaaaaaaaaaaaaaanggezogener Moment kuscheliger Intimität, kreischender Kitzelspiele und unauffälliger Inspektionen profilaktischer Natur sein sollte, ob an dem kleinen Körper noch alles dran ist.

Ich verstehe, dass Mensch zusätzliche Verstaufläche bracht. Aber mehr davon gibts in einem 2,20 cm hohen Regal, als in den verwinkelten Untiefen der Wickeltischkommode.

Von den Wickelunterlagen fange ich nicht an, da verweise ich auf den an sich schon eher konservativ bewertenden ÖkoTest, der sich vor Weichmachern und anderem Chemiemist in einem entsprechenden Test garnicht mehr umdrehen konnte.

Ich schlage vor und habe es selbst so gemacht: Yogamatte auf Bett, Baumwollhandtuch auf Yogamatte, Kind auf Handtuch, großes Rumgerolle und Gequiekse, fertich. Probiert es vor der Geburt und vor dem Kommodenkauf mit einem Teddbären aus, etwa achtmal am Tag. Im Knien oder Schneidersitz. Auf dem Bett oder davor. (Am besten gehts mit einem dicken Futon, denn auch von Betten rollen Schnurpse runter.) Verlasst Euch drauf, Ihr findet eine rückenschonende, bequeme Variante.

Was aber steckt hinter diesem Wickelkommodenwahnsinn? Es ist eine generelle Tendenz, den Schnurps zu uns HINAUFzuholen, in unsere erwachsene Komfortwelt, statt uns zu ihm HINUNTERzubewegen. Und reiht sich damit ein in die Versuche, aus dem Kind so schnell es nur geht einen Erwachsenen zu machen. Dabei entreißen wir ihn der Bodenhaftung, dem Kontakt mit der Erde, der Verwurzelung mit einem Untergrund, auf dessen Vorhersehbarkeit er sich verlassen kann. Empor zu uns Kopfmenschen, die auf Stühlen unsere Tage verbringen, bandscheibenverzerrt und in luftige, meist obsolete Gedankenkonstrukte gehüllt.

Dabei ist der Schnurps doch unsere Chance, die Welt wieder aus Augen zu betrachten, die ganz unten anfangen, die Käfer zwischen den Halmen krabbeln sehen und mit jedem Krabbler und Robber die wohlige Robustheit der Welt und die unvergleichliche Energie der Erde in sich aufnehmen.

Ich versuche, der Perspektive des Schnurps den gleichen Stellenwert einzuräumen, wir der meinen. Genausooft mit ihm zu krabbeln, wie ich ihn zu mir auf den Arm nehme. Ihn nicht zum Stehen zu animieren, wenn er doch noch mit Leidenschaft aus seinem Popo ruht. Unsere Zimmer auf seiner Augenhöhe genauso attraktiv zu gestalten wie auf meiner – ja genau, mit Bildern auf 40 cm Höhe und den unteren Regalborden voller schöner Schnurpssachen.

Entschleunigte Demut statt effizienter Entwurzelung.