Tag Archives: BabeFilme

Schnief, Schnüffel, Heul, Rotz….

26 Aug

Mutter sein hat mich in einen rührseligen Blobb verwandelt. Oder vielleicht erlaubt es mir auch, Gefühle zuzulassen, die ich mir vorher nicht gegönnt habe.

Mein Ich ist porös geworden; es lässt Dinge in mich eindringen, die vorher abgeperlt wären.

Gleichzeitig hat es sich ausgedehnt, um ein ganzes kleines Wesen vergrössert. Denn was dem Schnurps zustösst, stösst auch mir zu – ungefiltert, ohne die immer noch verbleibende Membrane von Getrenntsein, die selbst beim geliebten Vatatier noch intakt ist und mich davor schützt, seine Schmerzen als die meinen zu erleben.

Manchmal denke ich, ich muss explodieren ob der Größe und Macht dieses Mit-Gefühls. Vor allem, weil der Schnurps natürlich niemals wird darunter leiden dürfen, dass er ein Teil meiner ist. Er soll frei sein, zu sich zu finden, ohne mich dabei berücksichtigen zu müssen. Auch das ist ein Argument für Attachment Parenting – ihm durch Nähe das Urvertrauen zu geben, später mit sicherem Gefühl gehen zu können. Ein bißchen pervers, alles in meiner Macht stehende zu tun, um wieder verlassen zu werden.

Und dabei ist, ironischerweise, eben dies so oft das Argument gegen AP – das Rumtragen, Co-Sleeping, Konstantkuscheln, Ewigsäugen, ImmerDasein…das kann doch nur zur ungesunden Fixierung, Abhängigkeit, Unselbstständigkeit und bla und blubb führen. Dabei bedeutet es eigentlich nur eins: Dem geliebtesten Wesen die Sicherheit zu schenken, aus der innere Freiheit erwächst.

Ja,ja, so Einsichten kommen mir um 02.01 Uhr morgens, in einer Nacht, die sich von einem viel zu heißen Tag erholt, mit dem Rudel schlafend neben mir. Könnte natürlich eventuell sein, dass dieser eben verputzte Film hier:

 

 nicht unwesentlich dazu beigetragen hat.

Schaut ihn Euch an. Er handelt von den Dingen, von denen wir alle träumen, und die wir nie tun. Und was der Angesicht des Todes daran ändern könnte. Und davon, wie es wäre, zu wissen, dass man das Grosswerden der eigenen Kinder nicht mehr erleben wird. Mehr dazu findet Ihr hier. Traurig? Ja, sehr. Deprimierend? Überhaupt nicht. Er erinnert mich daran, jeden Tag einmal aus dem Hamsterrad zu springen und mir die Schönheit der Welt wieder zu vergegegenwärtigen. Und dem Schnurps beizubringen, dass das Leben kurz ist, aber lang genug, um glücklich zu werden.

Und falls Ihr die Wonnen des Nächtlichen-Filme-im-Bett-schauens-aufm-PC-mit-Kopfhörern noch nicht entdeckt habt…gönnt es Euch. Es gibt nur einen einzigen Nachteil: Ihr müsst leise heulen. Falls Euch das Muttersein Euch auch in einen rührseligen Blobb verwandelt hat. Oder Ihr Euch vielleicht erlaubt, Gefühle zuzulassen, die…