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Abhalten adé!

2 Sep

Wir lesen ja immer, dass jedes Kind sich gemäß seiner eigenen Geschwindigkeit entwickelt, dass unsere Schnurpse alle Individuen sind und sämtliche Vergleiche sofortigst in den Wind geschossen gehören, wenn sie ihr hässliches Haupt in der liebenden Mutterseele zu erheben wagen.

Und dennoch: Konnte es denn wirklich sein, dass der Schnurps sich nicht abhalten lässt? Er macht die schönsten, expressivsten Zeichen, pupst oder darmgeräuscht pflichtgetreu etwa zwanzig Sekunden vor Schiss (ichmeine, wieviel Serviceleistung geht denn bitte?), schaut uns mit riiiiieesigen, pippigefüllten Augen an…

Aber wenn wir ihn uns dann geschnappt haben und über Dinge (wie Waschbecken, Kloschüsseln, Salatschleudern …;) gehalten haben, kam: NIX. Und nochmal NIX. Und dann:  Lautes Gemurre. Wildes Gestrample. Also wieder zurück auf die mit Stoffwindeln und Inkontinenzmatten dekorierte Unterlage, die NATÜRLICH innerhalb einer Nanosekunde aufs Schönste bepinkelt & bekackt wurde.

Irgendwann findest Du dich damit ab. Hauptsache, der Schnurps ist glücklich, meldet weiter, und wird nicht wund. Und dann konnte er auf einmal alleine & fröhlich sitzen, so vor einem Monat – und ich dachte, wenn der sitzen kann, dann kann er doch auf aufm Töpfchen hocken. Oda? Und machte mich auf die Suche nach einem solchen.

Bin dabei auf den donut von hopopp gestossen. Der eigentlich alles versinnbildlicht, woran ich nicht glaube:

1. Sachen neu kaufen (gab’s aber nicht gebraucht).

2. Dings ist aus Plastik  (100% Polypropylen, also Propen, also eigentlich aus Erdöl, weil das Gas Propen durch die Spaltung von Benzinen gewonnen wird, die bei der Erdölgewinnung auftreten).

3. Aus der Verpackung könnte man acht Häuser für Großfamilien bauen. Plus: Sie ist ebenfalls aus Plastik, teilweise zumindest.

4. Nix auf der Webseite oder sonst wo sagt mir, wo das Dings hergestellt ist.

5. Es kostet mehr als 20 Euro. Über diese turbokapitalistische Frechheit könnten auch 217 Red  Dot Awards nicht hinweg täuschen. Es hat aber nur einen gewonnen.

Ihr ahnt es schon: Nach einer Nacht auf scharfen Scherben kniiend und mich  „Mea Culpa“ schreiend mit jungen (eingetopften) Birkenzweigen auf den Rücken schlagend habe ich das Ding bestellt. Weil es einfach so verdammt gemütlich und bunt aussieht. Und weil ich irgendwie ein gutes Gefühl dabei hatte.

Ich machs mal kurz und schmerzlos:

Jawohl, dieses Bild kann man garnicht groß genug posten. Vom ersten Tag an saß der Schnurps mit ein bißchen Unterstützung vergnügt und seelenruhig auf dem Teil, bis es aus ihm rausschoss.

Es lässt sich supereasy reinigen (einfach grünen Einsatz rausnehmen und unter den Wasserhahn halten) , überall mit hinnehmen, sieht auch neben dem Bett nett aus (nicht wichtig, aber nice-to-have), und nein, ich werde nicht von denen bezahlt. Würde ich mich auch nicht lassen, aus oben genannten Gründen.

Nachteile: Schnurps muss recht weit hinten zu sitzen kommen, damit der kleine Penis mit in die Umfriedung passt. Nachts krieg‘ ich das nicht immer hin. Und warum das Ding aus zwei Teilen mit einer Naht (Schwachstelle) gefertigt ist, weiß der Produktdesigner allein. Die verschiebt sich auch schon ein bißchen. Aber sonst: Juchei & Hoppopsassa.

Ich fühl‘ mich immer noch schlecht, aber bin gleichzeitg super glücklich. Achja, und sitzen können müssen die Schnurpse natürlich von allein, sonst isses ne Quälerei. Sprich: Für die ersten Monate habe ich noch keine Lösung für die Nicht-Abhalter anzubieten.

IDEAS, anyone?