Tag Archives: Re-Using

Ich bin eine Umweltsau.

3 Sep

Kennt Ihr  das, dass Dinge ausgesprochen werden müssen, um in ihrer ganzen Tragweite erkannt zu werden? Nach meinem letzten Beitrag habe ich mich miserabel gefühlt. Aus den dort genannten, produktspezifischen Gründen. Okay, denkt Ihr jetzt, irgendwo muss auch mal gut sein mit den Prinzipien. An ’nem Pisspott wird die Welt wohl nicht krepieren. Stimmt. Aber er ist exemplarisch für die Art von Ausnahmen, die ich mir eigentlich nicht mehr gestatten wollte, weil sie den Hang zum Inflationären haben.

Also habe ich nochmal recherchiert und bin bei diesem wunderbaren Shop eben auf das hier gestossen:

Ein kompostierbares Töpfchen.  Bei der Produktbeschreibung wird mir schon ganz warm ums Herz:

Dieses schlichte und umweltfreundliche Töpfchen wird aus Ernteabfällen, wie Bambusfaserresten und Spelzen von Reiskörnern, und biologisch abbaubarem Harz gefertigt. Es geizt auch nicht mit ergonomischen Vorzügen, denn das hohe Rückenteil bietet bei Gebrauch komfortablen Halt und der ausladende Spritzschutz leistet höchsten hygienischen Ansprüchen genüge.  Und wird es vom Kind nicht mehr benötigt, kann es im Garten ausgesetzt und bepflanzt werden und sich nach und nach biologisch abbauen – zur Freude von Kind und Umwelt.

Allerdings: Produktionsort China, in einem „spezialisierten Betrieb“. Weder „Fair Trade“ noch „Faire Produktion“. Jetzt will ich’s wissen. Ich werde gleich mal eine Mail aufsetzen und nachfragen. Und das Ding dann ausprobieren. I keep you informed.

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Re-Using Workshop I: Die Plazenta. (Yummie.)

1 Sep

Von Anbeginn meiner Schwangerschaft habe ich mich darauf gefreut, meine Plazenta zu sehen…diese in mir gebildete, wahnwitzig intelligent designte Futterquelle, ein perfektes Beispiel für Selbstsuffizienz – gefundenes Fressen (naja, nicht ganz….siehe unten unter Auffuttern) für mich PermakulturFetischistin 😉

Ein bißchen war es auch der hübsche Gedanke, dass die Plazenta Schnurps‘ und mein erster gemeinsam gebackener Kuchen ist (das Plazentagewebe entstammt aus fetalen und mütterlichen Zellen) und ich Kuchenbacken und Verknuspern vor allem in Kindergesellschaft liebe.

Ist sie nicht wunderschön, diese Symbiose, die wir schwanger mit uns herumtragen?

(Image credit: Wei Hsu and Shang-Yi Chiu)

Und wer mal sehen möchte, wie Babes mit Plazenta noch dran ausschauen, besuche diese sehenswerte Webseite der Fotografin Stephanie Weigls und schaue sich unter „Erste Mahlzeit“ um. (Dort wird auch der Unterschied zwischen einer Raucher- und einer gesunden Plazenta glasklar. Erstere ist ein grauer, fester, kalkiger Stein, während letztere ein wohldurchbluteter, elastischer, fruchtbarer Kuchen ist. Ich werde mich niemals über die Süchte anderer Menschen erheben – wir haben sie alle, die einen subtiler als die anderen. Aber bitte, falls Es Euch irgendwie möglich ist: Raucht nicht während der Schangerschaft. Es macht die Versorgungssituation zur Hölle.)

In jedem Fall war ich total scharf darauf, mir das Wunderwerk anzuschauen. Und ich wusste gleich, dass ich sie keinesfalls einfach entsorgt haben möchte, sondern getrau meinen ECObabeesken Prinzipien auf jeden Fall weiter verwenden will. Dafür habe ich mich auf die Suche nach Re-using Möglichkeiten gemacht – die ich hier jetzt mal mit Euch teile.

Meine war ja eine Wassergeburt im Geburtshaus (dazu an anderer Stelle mehr), und so habe ich meiner Hebamme schon in den Vorgesprächen gesagt, dass ich die Plazenta unbedingt sehen möchte, wenn sie rausflutscht, und dann auch mitnehmen. Es gibt noch andere Möglichkeiten – zu denen komme ich gleich. Zunächst mal: Das Rausglibbern heißt nicht umsonst „Nachgeburt“. Nachdem der Schnurps draußen war, hat sich alles durchflutendes Gefühl der Erleichterung breit gemacht – aber ich habe auch ganz eindeutig gefühlt, dass ich noch nicht leer war. Es erfordert noch mal ein bißchen Arbeit, die Plazenta rauszukatapultieren – in einem Moment, wo Du einfach nur mit Deinem Baby und Deinem Partner kuscheln willst und NIIIIIIIIIIEEEEEEEEEE wieder pressen. Aber dann geht es eigentlich ganz schnell – und dass Gefühl der Erleichterung hinterher ist GÖTTLICH.

Soooo…und hier mal all das Schöne, was man mit der P. anstellen kann…

1. Einpflanzen

Ich werde unsere Plazenta wohl unter einem Ginkobaum einpflanzen. Lauter Leute nehmen anscheinend auch den passenden Baum des keltischen Baumhoroskopes, das wiederum eine Erfindung vom Dichter Robert Graves/ Robert von Ranke-Graves plus einer französischen Journalistin der Marie Claire ist – geht doch nix über ein bißchen Eso-Bashing an lauen Sommernächten 😉

Mir geht’s um das Spürbarmachen organischer Kreisläufe – Schau, werde ich dem Schnurps sagen können, in diesen Baum ist eingegangen, was Du erschaffen hast; in jedem kleinen Blatt sitzt ein Stück von Dir… Bei uns wirds dazu eine kleine Zeremonie geben, die an die Stelle einer Taufe tritt. Wer aber bis in die letzte Pore Abstand genommen hat von jeder Idee des Privateigentums – auch im Wald kann mans vergraben und dabei schön feiern! Besonders liebevoll finde ich auch eine Baumparty mit älter gewordenen Schnurpsen – teil der ÖkoBildung… Ihr seht schon, ganz entschieden bin ich noch nicht – deshalb wartet die Plazenta in der Tiefkühltruhe. Ich habe sie gestern rausgeholt und mal fotografiert:

Was fällt Euch auf? Genau: Plastiktüten. Fragt lieber nicht 😉 Nachdem Schnurps ja mit Überschallgeschwindkeit ins Hier & Jetzt rüber rutschen wollte, hab‘ ich Dösel die Tupperwaredose komplett vergessen einzupacken. Also: Direkt mit in den allzeit bereit stehenden Koffer (den ich natürlich auch nicht gepackt hatte) damit, was ein braves NachhaltigkeitsMütterchen sein will.

2. Einmachen

Die Plazenta ist einfach eine Wahnsinnsquelle wirksamer,  nebenwirkungsfreier Medikamente. Wenn’s Euch interessiert, lest mal Cornelia Ennings „Heilmittel aus Plazenta“  (ich besprech’s nochmal genauer im Babebooksbereich – reinlesen könnt Ihr hier):

Wieder eins von diesen wohl recherchierten, vor Wissen strotzenden Bücher, die in völligst verständlich geschriebener Sprache die Augen öffnen für ein Universum alternativen Heilens.

Die bekannteste Form der Plazentamedikamente sind Globuli, die innerhalb der Homöopathie zu den Sarkosen  zählen – Wirkstoffe, deren Ausgangsmaterial aus Stoffwechselprodukten des Patienten selber stammt. Bekannter allerdings ist der Begriff Auto-Nosoden.

In meinem Geburtshaus wird sich vor Ort um das Einschicken von Plazenta zur Herstellung des Globuli gekümmert – einfach mal nachfragen! Ansonsten könnt Ihr das auch selbst übernehmen. Infos dazu gibt es zum Beispiel hier und hier.

3. Dranlassen

Eine der Riesenmotivationen für diese Seite sind meine eigenen „Hätte ich das mal vorher gewusst“-Erfahrungen. Viele der wunderschönen Dinge rund um Geburt und alles kommende kannte ich einfach nicht.

Leider gehört dazu auch die Lotusgeburt. Dabei wird der neugeboreneSchnurps nicht von der Plazenta getrennt – sprich, die Nabelschnur plus P. bleiben so lange dran, bis sie nach 3 bis 10 Tagen selbst abfällt. Kennt Ihr das, wenn Ihr etwas vorher Unbekanntes lest/ hört und es macht sofort Peng – wie in: Klar, das macht absolut Sinn, wieso um alles in der Welt bin ich da nicht selber drauf gekommen? So war’s bei mir mit der Lotusgeburt. Auf der tollen Attachment Parenting.de findet Ihr eine schöne Zusammenfassung der Idee plus mehr Gründe, warum – und hier einen interessanten Bericht einer Frauenärztin aus medizinischer Sicht … mit super Bildern einer marinierten Plazenta, grins. Ausdrucken und mit ins Krankenhaus nehmen, falls die Ärzte dort fickelig werden!!!

Wer es wirklich vorhat, und Englisch liest, sollte sich „Lotus Birth“ von Shivam Rachana  antiquarisch besorgen:

4. Auffuttern

Für mich war das Nix. Fühlte sich irgendwie nicht richtig an – könnte eventuell an meinem Veganertum liegen… Sollte ja schließlich roh und direkt nach der Geburt sein. Allerdings – hätte ich starke Nachblutungen, ich würde es sofort tun. Und außerdem:  Sag niemals Nie.

5. Spenden

Geht in einigen Krankenhäusern auch. Nachfragen! Die Plazenta wird dann zur Herstellung diagnostischer Verfahren genutzt. Natürlich unterstützt Ihr damit die Pharmaindustrie, aber andererseits tut Ihr Menschen was Gutes…muss halt jeder selbser wissen.

In jedem Fall gilt:

  • Vorher rechtzeitig informieren, um alle Vorbereitungen treffen zu können.
  • Den an der Geburt Beteiligten vorher sagen, was Ihr mit der Plazenta vorhabt. Vor allem die Begleitperson in die Benutzung der Beförderungsmittel einweihen.
  • An alle notwendigen Aufbewahrungsbehältnisse denken und sie rechtzeitig einpacken. Bei Lotusgeburten im Wasser haben sich schwimmende Container bewährt, falls Ihr noch ein bißchen im Bottich bleiben wollt und plantschen 😉
  • Zuhause in der Aufregung nicht vergessen, P. ins Tiefkühlfach zu verfrachten.
  • Euren Partner bitten, den Versand für die Sarkosenherstellung zu übernehmen – Ihr selbst werdet direkt nach der Geburt anderes im Kopf und an den Möpsen haben.